Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 486

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 486 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829859-2829864-2893097--41447-2893201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

486 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Tanz und Verzückungen, und das zerstört wieder sein Gefühl. Anders geht es seinem Jugendfreund Benjamin, den er als gebrochenen, von langer Wanderung zermürbten Mann auf der Bank der Fremden und Armen (?) sieht. Er hat zwar auch den Glauben an seine Zeitgenossen, aber nicht an sein Volk verloren. Darum will er nach Jerusalem, mit derselben Hoffnung im Herzen, wie er sie trotz Elend und Kieinsinn bei allen Juden auf seinen weiten Reisen gefunden hat. »Wenn sie am Passahtisch sitzen und die bitteren Kräuter essen, denken sie an Jerusalem. Dort wollen sie frei sein, nachdem sie Knechte gewesen so lange Zeit. Und am Versöhnungstag ist keiner, der nicht die Erde küssen möchte, da Salomons Tempel gestanden«. Er glaubt zwar nicht an Sabbatai Zewi, aber an sein Volk. Spinoza, krank auf den Tod, erlebt es noch, daß auch die Christen nicht duldsamer sind, daß seine Freunde Adrian und Johannes wegen ihrer Schriften vor ein protestantisches Ketzergericht gezogen und verurteilt, daß die beiden edlen Brüder de Witt vom Volke grausam ermordet werden. Dann stirbt er in der Dachstube, »wo er seine Gläser und seine Gedanken geschliffen hatte«. So sind die Schatten gleich verteilt. Für verfehlt halte ich aber, soweit meine Kenntnis jüdischen Wesens und des jüdischen Weibes, wenigstens der älteren Zeit, reicht, die Darstellung der in ihrer Jugend so sanften, poetischen und dann in der Ehe mit dem Schurken Manasse so buhlerischen, bestialischen, sadistischen Mirjam. Ist das ein Zugeständnis an unsere Zeitgenossen? Einige Irrtümer mögen noch angeführt werden: Die Juden knieen beim Gottesdienste nicht, im Tempel gibt es keine Bank der Fremden und Armen, sondern wohl der Fremden und Trauernden (Awelim), die Bundeslade heißt Aron (nicht Arun) ha-Kodesch und auch bei der Schilderung des Purimfestes finden sich Unrichtigkeiten, lauter Dinge, die bei dem Nichtjuden nicht verwunderlich sind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.