Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 16)
- Language
- German
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Das Königlich Wesiphälische Konsistorium der Israeliten. 469 weit mehr versprochen und wußte nur zu wohi, wie wenig er von dem guten Willen der Paderborner zu erwarten hatte. Für den Bezirk Höxter mindestens, in welchem er stets allein ohne einen Unterrabbiner fungiert habe1), könne er doch, wie er meine, ohne weitere Wahl bestätigt werden (Schreiben vom 19. Oktober)8). Der Gouverneur präzisierte daraufhin seinen Standpunkt gegenüber der aufgelösten israeütischen Synodalverfassung nur ganz kurz dahin, daß er alle aus derselben hergeleiteten Ansprüche für ungültig ansehe. Die Aussichten Steinhardts standen also nicht besonders günstig. Da kam ihm die Verschleppungstaktik der Paderborner zu Hülfe. Der Regierung kam es gewiß nicht in den Sinn, ihnen die Freiheit der Wahl zu beschränken. Wäre es ihnen bloß darauf angekommen, Steinhardt auszuschalten, so hätten sie nur einen der beiden der Regierung bereits genannten Kandidaten auf dem Landtage endgültig zu wählen brauchen. Offenbar aber wollten sie überhaupt keinen Rabbiner und zogen deshalb unter allerlei Vorwänden die Beschickung des Landtages in die Länge. In einem beweglichen Schreiben wandte sich nun der vielgeprüfte Mann, der seit mehr als einem Jahre kein Gehalt mehr bezogen hatte, noch einmal an die Behörde. Das für ihn äußerst charakteristische Schreiben lautet: Ew. Hoch- und Wohlgebohren haben in Dero sehr verehrlichen Zuschriften vom 19. September und 22. Oktober d. J. mir den Inhalt Dero Verfügung vom 6. September und der darauf erfolgten Eingabe der Vorsteher vermöge deren die vorgeschriebene Rabbinerwahl spätestens anfangs November stattfinden solle, [mitgeteilt]. Dessenungeachtet ist von der jüdischen Gemeinde noch kein Schritt 2» diesem Behuf vorgenommen worden, wie man mir geschrieben, um >) ln Höxter fungierte kein Unferrabbiner, sondern der Rabbinatsadjunkt Suiro. Die Vorgänge gehen aus den Akten nicht klar hervor. Es scheint, daß es sich bei Präsentation jener beiden Kandidaten »2ur Auswahl und Bestätigung* zunächst um die Feststellung der der Behörde am meisten genehmen Persönlichkeit handeln sollte. Eine Landtagswahl hatte bisher keinesfalls stattgefunden. י) St. A. M. a. a. O.