Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829859-2829864-2893096--41428-2893183- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
463 Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten. Bericht hervorgeht, als ein unverbindlicher Zwangsakt der früheren Regierung, mit deren Aufhören auch seine Rechte aufgehört hätten. Recht unfreundlich bemerkt dabei der Vorsteher Löwenthal, Steinhardt habe sich »außer einigen Lustreißeu nie als Paderborner Rabbiner geriert«. Er rät ihm schließlich, sich in die bösen Zeiten zu schicken und seine Hildesheimer Stellung zurückzuerlangen zu suchen. Dem Berichte des Syndikus folgte innerhalb weniger Tage die Abweisung des Gesuches durch den Zivilgouverneur1 2). Damit schien Steinhardts Angelegenheit endgültig erledigt zu sein, als ihm der Zufall zu Hülfe kam. Der würdige alte David Schulmann, der seit vielen Jahren seines Amtes in Paderborn waltete, starb, und damit fiel ein sehr bedeutendes Hindernis für St.’s Hoffnungen fort. In erneuter Eingabe, einem wahren Meisterstück geschickter Darstellung, weiß er diese Fügung des Schicksals für sich auszunützen*). Besonders auf die mächtige Fürsprache eines persönlichen Freundes Vinckes, des schon erwähnten Präsidenten von Hänlein hin, verfügte der Zivilgouverneur die möglichste Berücksichtigung des stellenlosen Gelehrten. Der Judenschaft Paderborns, die bereits zwei Kandidaten zur Bestätigung vorgeschlagen hatte, vielleicht gerade um die Person ihres ehemaligen Oberhirten, dem sie offenbar recht gemischte Gefühle entgegenbrachte, auszuschließen, solle seine Wahl warm empfohlen werden. Für St. bedeutete diese Regierungsentscheidung, die ihn den Zufälligkeiten einer Wahl aussetzte, eine herbe Enttäuschung. Er hatte sich von dem Empfehlungsschreiben des preußischen Gesandten 1) Löwenthals Bericht an die Regierung St. A. M, a. a. O. betreffend die Klagen über das Konsistorium siehe auch oben S. 207. Am 31. März 1812 berichtet der Präfekt des Fulda-Departements an den Minister, in seinem ganzen Distrikt werde über das Drückende der auf Vorschlag des jüdischen Konsistoriums angesetzten Steuern geklagt, und vielleicht mit Recht. Im Distrikt Paderborn sei dies ganz besonders der Fall. 2) Bericht vom 11. Juli 1814.