Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 467 (sequence 14)
- Language
- German
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Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten. 467 Haltung der jüdischen Bevölkerung auch der Haß gegen »jenes sämtliche Religions Genossen drückendeConsistoriurm sehr wesentlich beigetragen hat. Steinhardts seinerzeitige Anstellung als Oberrabbiner galt den Juden, wie aus dem Schuld hatte man in früherer Zeit kaum gedacht, weil »der Kredit der Korporationen so fest begründet war, daß sie nicht nur keine Kündigung zu befürchten hatten, sondern, im Fall deren auch erfolgt wären, zu 4 und 3% Geld in Menge haben konnten, um alle Glaubiger zu befriedigen und an deren Stelle neue anzunehmen«. Diese so sicher begründete Institution war nun unter der neuen Herr־ schaft ins Wanken geraten, Die Gläubiger waren in ihrem Vertrauen irre geworden und zogen ihre Kapitalien teilweise zurück. Vergebens machte man bei dem Unvermögen, die Darlehen zurückzuzahlen, den Erben des verstorbenen Geheimrats Meyer das Anerbieten, die Zinsen auf 5% zu erhöhen, vergebens bat man den Minister, die exekutorische Beitreibung der von den Vorstehern verfügten Schuldbeiträge wie in früherer, vorwestphälischer Zeit, zu gestatten, vergebens erbat man eine ähnliche Regelung, »wie solche in Ansehung derjenigen X500G Taler erfolgte, welche die vormals Hessische Korporation dem Kronschatz schuldig war«. Angesichts der westphälischen Finanzmisere wies der Präfekt in seinem Gutachten auf das höchst Bedenkliehe neuer Steuern hin, »der Zweck mag sein, welcher er wolle«. Die schüeßliche Antwort des Ministers vom 2. November 1812 lautete dementsprechend recht wenig entgegenkommend. Der Halberstädter Korporation hatte ein von Jacobsohn entworfener Tilgungsplan recht gute Dienste geleistet. (Bericht des K. an den Minister vom 23. März 1812 a. a. O.) Die Korporatfonsschuldenfrage beschäftigte auch noch die preußische Regierung in späteren Jahren. Für den Verwaltungsbezirk der ehemaligen Kriegs- und Domänenkammer zu Minden wurde am 31, Juli 1817 eine aus dem Stadtdirektor Delius zu Bielefeld, als Vorsitzenden, und den dortigen Bankiers Eisenstädter (über ihn unten)und Meyer, als Mitgliedern, bestehende besondere Kommission dieserhalb eingesetzt, deren Verfügungen die Juden Folge zu leisten hatten. Am 1. Februar 1815 hatte Eisenstädter der Regierung berichtet, daß, um die Korporationsschulden der Ravensberger tilgen zu können, noch 800 Taler fehlen. Er bat die Königliche Regierung, den lässigen Zahlern mit Zwangsmaßregeln zu drohen, (St. A. M. Reg.-Bez. Minden V 10.) Die 1817 eingesetzte Kommission (Acta des Magistrats der Stadt Minden betreffend die kirchlichen und sonstigen Gememdeangelegenheiten der Juden 1814) wurde 1819 aufgelöst. 3 er