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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 449

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
Die jüdischen Realschulen Deutschlands
Date
1914-01-01
Page
Seite 449 (sequence 20)
Language
German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 449 Hess, nicht die geeignete Persönlichkeit dafür. Wie ihn der eine Verfasser der trefflichen Jubiläumsmonographie1) charakterisiert, war Hess vom Talmudstudium unmittelbar zu Voltaire und Rousseau übergegangen; .... von seiner ersten Epoche war ihm nur eins geblieben: der Schmerz über die Dürftigkeit, Unzulänglichkeit und praktische Unbrauchbarkeit seiner bisherigen Studien. Deshalb trat bei ihm ein gewisser Trotz gegen alle Traditionen, ein Radikalismus zu Tage, der bei seinen Nachfolgern manchmal wohl übers Ziel hinaus schoß. So dürften die ersten Keime des Reform-Sonntaggottesdienstes in der »Andachtsstunde« des Philanthropins zu suchen sein. Das war eigentlich eine kleine Schulfeier, mit der jeden Sonntag der öffentliche Unterricht eröffnet wurde. Dabei gab es Gesang mit Orgelbegleitung, außerdem Exhortation über irgendeinen moralischen Gegenstand, während deren auch das Betragen der Schüler in der verflossenen Woche besprochen wurde: also doch eine Art Jugendgottesdienst auf rein ethischer Grundläge, wie es Hess wünschte. Zwar verlegte schon der erste Prediger, Josef Johlson, die Andacht auf den Sonnabend, lehnte sie der Liturgie des Tages an, doch blieb ihr auch ferner die hebräische Sprache fern; statt des Gebetbuches fungierte Johlsons Gesangsbuch und die Teilnehmer des Gottesdienstes standen entblößten Hauptes! In der Folgezeit wußten tüchtige Redner, wie Michael Creizenach, der Historiker I. M. Jost und der bekannte Jakob Auerbach dem »Andachtssaale« des Philantropins eine große Popularität zu sichern: hier fanden von 1829—1858 die ersten Konfirmationen statt, hier hielten es Männer wie Abr. Geiger, Nathan M. Adler u. a. nicht unter ihrer Würde, der Jugend zu predigen. Erst mit der Einführung eines geregelten Gottesdienstes in der Hauptsynagoge verlor ‘) Geschichte der Realschule der isr. Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt a. M. (1804—1904). Von Direktor a. D. Dr. H. Bärwald und Direktor Dr. S. Adler. (S. 94.) Monatsschrift, 58. Jahrgang. 29

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