Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 448 (sequence 19)
- Language
- German
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448. Die jüdischen Realschulen Deutschlands. vom In- und Ausland, von Amsterdam bis nach Zabern. Die jährlichen Schlußprüfungen des Philanthropins bildeten ein Stadtereignis, Minister, Stadträte waren nicht selten dabei anwesend; über eine der ersten schreibt der bereits erwähnte Geograph Ritter, der vorher in Seesen gewesen: »....die Knaben bestätigten mir auch hier, daß die jüdische Nation voll herrlicher Anlagen und Geistesanlagen, trotz des Druckes, unter dem sie seufzten, geblieben.« Der verdienstvolle Adolf Crdmieux versäumte es nicht, 1840 auf der Rückreise aus dem Orient das Philantropin zu besuchen. Auch sonstige Auszeichnungen wurden der Schule zuteil. Bei der Schillerfeier der Stadt Frankfurt im Jahre 1859 wurde die Festrede dem Direktor Dr. Sigm. Stern übertragen,, bei der 1873*er Weltausstellung in Wien aber erhielt die Schule den ersten Preis für ihre Schreib- Vorlagen und Schriften. Ein Resultat, das uns wenig überrascht, wenn wir v/issen, daß die Schule dem Schönschreibunterricht von Anfang an durch hohe Stundenzahl größere Bedeutung beigelegt, und bis heute eine eigene Tradition der »Philantropinschrift« herausgebildet hat. Wie jede Schule verdankt auch das Philantropin seine Erfolge natürlich in erster Reihe seinen Leitern und Lehrern, deren stolze Reihe — paritätisch! — ein Michael Hess und F. Josef Molitor eröffnen. Ersterer Erzieher im Rothschild’schen Hause und Autodidakt im besten Sinne des Wortes, arbeitete als Direktor fast ein halbes Jahrhundert hindurch auch an seiner eigenen Vervollkommnung, letzterer ein Mitglied des Bettina’schen Kreises, akademisch gebildet, zugleich mystisch überspannt, will aus purem Idealismus »einen Leib den Juden opfern, einen Geist ihnen widmen.« Ebenso besaß die Schule später oft Christliehe Lehrer von gutem Rufe; von besonderer Bedeutung für sie und — wir können sagen — für die Entwicklung des modernen Judentums und seines Gottesdienstes waren jedoch ihre Religionslehrer. Wohl war der erste, eben M.