Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 18)
- Language
- German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 447 schon in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts zur ersten jüdischen Schule Deutschlands und zur bis heute bestgehegten, teuersten Institution der Frankfurter jüdischen Gemeinde. Dem Schulrat anzugehören galt jederzeit als besondere Auszeichnung, niemals als Sinekure; nicht selten folgten einander Vater und Sohn im Ehrenamte, traditionell hat der Schulrat ein ärztliches Mitglied, das zugleich als Schularzt fungiert. In der Stadt der wohlhabenden Patrizier fehlte es natürlich selten am Gelder der Schulrat konnte seine Schulmänner und -leiter unter den tüchtigsten und bekanntesten Größen derZeit erwählen, denen er eine sorglose Position sicherte. Hatte die Schule doch schon vor mehr als 50 Jahren eine Pensionsordnung, laut welcher der ordentliche Lehrer nach 50 Jahren (!), bei Dienstunfähigkeit aber nach 20 Jahren mit vollem Gehalte pensioniert wurde. Mit der inneren Entwicklung der Schule hielt ihre äußere Anerkennung gleichen Schritt: selten hat sich eine jüdische Anstalt in dem Maße des Interesses der Besten ihrer Zeit rühmen können, wie das Philanthropin. Neben Dalberg, dem bekannten Gönner Schillers, steht Bettina, die Freundin Goethes, die dem großen Sohne Frankfurts mehrfachen Bericht über die durch die neue Stättigkeit geschaffenen Zustände erstatten muß: »-alle Juden schreiben seitdem, der Primas hat viel Vergnügen an ihrem Witz. Alle Christen schreiben über Erziehung, es kommt beinahe alle Woche ein neuer Plan von einem neu verheirateten Erzieher heraus. Mich interessieren die neuen Schulen nicht so sehr, als das Judeninstitut, in das ich oft gehe«. Und der Geheimrat fordert sie weiter auf: »Fahren Sie fort, mir von diesen heilsamen Anstalten, als Beschützerin derselben, von Zeit zu Zeit Nachricht zu gebenI« Als Mäcen traten neben die Rothschilds, Goldschmidts, Reinachs usw. schon in den ersten Jahren die Bethmanns, Mann und Frau, die für einen christlichen Knaben, resp. ein jüdisches Mädchen das Schulgeld bezahlten; Spender, Subskribenten meldeten sich