Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 17)
- Language
- German
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446 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 16. Lebensjahre unterrichtet werden sollten. Die israelitische Schulsektion hatte schleunigst Schul- und Lehrplan zurechtgelegt, ihr geistigerFührer Jac. Süßkind Stern schwärmte bereits von einem Prachtbau für 600 Kinder, der Name »Carlsschule« war vom Primas auch genehmigt, schon hatte Dalberg fürs Schulhaus 1200 fl., Isr. Jacobson für eine Schülerbibliothek 200 fl. gespendetl da starb Stern und mit ihm die noch nicht zeitgemäße Idee seiner Schule. Hingegen trat das Philantropin ganz in seine Fußstapfen. Es ließ sich von der großherzoglichen Regierung als Grundstock der für die Gemeinde neuzugründenden »öffentlichen« Schule anerkennen, übernahm im Lehrplan die Bifurkation der unteren Volksschulklassen in eine Handwerksschule für die ärmeren Kinder und eine Realschule für die besseren Stände, ebenso erweiterte es sich seit 1810 auch mit Mädchenklassen. Im Taumel des Gleichberechtigungsjubels 1811 trat der erste christliche Schüler in die Anstalt, die voll Dankbarkeit nunmehr ihrem »jüdischen« Epitheton entsagte. So hatte das Philantropin im ersten Jahrzehnt seines Bestehens eigentlich seinen ganzen Werdegang im Kleinen bereits vollendet: war »Bürger- und Realschule der israelitischen Gemeinde« geworden, wohnte in einem von der Regierung der Gemeinde überlassenen gewesenen Dominikanerkloster, genannt Kornposteil, Direktor und Lehrer waren als Staatsdiener anerkannt und hatten in neuneinhalb Jahren 450 Schüler und Schülerinnen ausgestellt. Da kamen die großen Tage von 1818, und in der »freien Stadt« Frankfurt gingen manche jüdische Rechte verloren. In ihrer nun auch finanziellen Not flüchtete sich die Schule immer mehr unter die Fittiche der israelitischen Gemeinde, die ihr seit 1819 jährliche Subventionen bewilügte und drei ihrer Vorstandsmitglieder in den Schulverwaltungsrat delegierte. Unter Leitung dieses Schulrates, in dem heute Vorstand und Ausschuß der Gemeinde als Majorität vertreten sind, entwickelte sich das Philantropin