Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 12)
- Language
- German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 441 kation der Anstalt in eine realgymnasiale Abteilung mit Latein und eine reale durchzuführen, was im nächsten Jahre von Quarta aufwärts auch geschah. Seit einigen Jahren ist die Anstalt im Prinzip koedukationeil. 1911 befand sich unter den Abiturienten das erste Mädchen, wobei der dermalige Direktor, Prof. Dr. N. Friedland den Wunsch aussprach, daß »die Jacobsonschule, dfe sich zur Aufgabe gestellt hat, alle Stände und Glaubensbekenntnisse einander in verständnisvoller Duldung zu nähern, im Rahmen ihrer Verhältnisse auch dazu beitrage, gemäß den neuzeitlichen Bestrebungen, Knaben und Mädchen zu gemeinsamer Betätigung auf allen sozialen Gebieten vorzubereiten.« Im letzten Schuljahre (1912/13) absolvierten 22 Schüler die U 11 der Realschule und 12 die des Realprogymnasiums. Die Anzahl sämtlicher Schüler (in zusammen 10 Gruppen) betrug 301, von denen 182 Christen waren und bloß 119 Juden. Unter den Hausschülern (Alumnen) sind dagegen statutengemäß die jüdischen Schüler im Übergewicht, die Verhältniszahl der Juden zu den Christen ist wie 2:1, derzeit: 101 : 59. Der jüdische Charakter der Schule ist auch sonst durch personelle Garantien gesichert: unter den 3 Kuratoren, denen unter Beaufsichtigung der Herzogi. Kreisdirektion zu Gaudersheim die Gesamtverwaltung des Anstaltswesens unterliegt, muß einer ein Jude sein (gewöhnlich sind es mehr), ebenso die Majorität der Lehrer; Direktor und Hauseltern dürfen keiner anderen Konfession angehören. Christliche Lehrer gab es schon seit den ersten Zeiten, seit 1840 haben sich auch Geistliche um den Religions- und profanen Unterricht manche Verdienste erwcrben, so besonders Pastor C. G. Ferd. Lange, der interimistisch (1848) auch die Direktorsagenden erledigte. Sein Sohn, selbst Jacobsonschüler, hielt beim Jubiläum den einen Festgottesdienst ab. ln religiöser Beziehung huldigt die Schule im Geiste