Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 440 (sequence 11)
- Language
- German
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440 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. bilden die ineinandergeschlungenen Hände Symbol und Wahr- Zeichen der Seesener Schule. Jacobsons Ruf und der seiner Anstalt drang denn auch bald in die Welt. Israel Jacobson wurde von der französischen Herrschaft zum Vorsitzenden des Casseler Konsistoriums ersehen, die Helmstedter Universität verlieh ihm das Ehrendoktordiplom, und als Napoleons Bruder Jöröme, König von Westphalen wurde, besuchte er samt seiner Gattin auch die Jacobsonschule. Ihr erster Direktor, der als Hofrat Schott bekannte Benedikt Schottländer, der nebst Jacobson auch Mitglied des Pariser Sanhedrins war, wurde vom Abt Gr^goire als Schulmann gelobt, während der berühmte Geograph Karl von Ritter für die Anstalt schöne Worte der Anerkennung fand und an der Studien- Ordnung nur ihr Zuvielerlei bemängelte. Im Geiste der Philanthropinisten, die den »ganzen Menschen« bilden wollten, gab es nämlich anfangs nicht weniger als 6 Sprachen, — für Volksschüler! — sodann Musik und Gesang, bürgerliches Rechnen und Buchführung, Mathematik und Erdkunde, ja nebst der Religionslehre wurde aus einem astronomischen Lehrbüchlein(!) wohl jüd. Kalender, — auch Moral unterrichtet. Später trat den Intentionen des Gründers gemäß die Heranbildung der Zöglinge zu Feldarbeitern, Handwerken und Kaufleuten in den Vordergrund, die Schule erhielt eine Gartenbauanlage, 1839 wurde sie zur höheren Bürgerschule, bis sie 1870 den Titel einer Realschule mit dem Lehrziel der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erhielt. Seitdem nahm die Zahl der Schüler, — wie bei der Samsonschule aus fast aller Herrn Länder, — in dem Maße zu, daß in den oberen Klassen Parallelcoeten eingerichtet werden mußten, und so konnte Prof. Dr. Ludwig Philippson in seiner Festrede1) 1901 die Idee anregen, eine Bifurl) Die Hundertjahrfeier der Jacobsonschule, nebst 2 Festpredigten und drei Festreden; Beilage zum Jahresbericht 1902.