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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 442

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
Die jüdischen Realschulen Deutschlands
Date
1914-01-01
Page
Seite 442 (sequence 13)
Language
German
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442 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. der im Vorjahre veröffentlichten »Richtlinien« einem ausgesprochenen, fast extremen Liberalismus. Wegen allzugroßer Rücksichtauf die christlichen Stadtschüler wurde zum schulfreien Tage der Woche der Sonntag bestimmt, Freitag Abend und Sonnabend früh findet jedoch Gottesdienst statt, weshalb der Unterricht um 9 Uhr beginnt. Von den Wallfahrtsfeiertagen ist nur der erste Tag schulfrei, der zweite bloß bis 10 Uhr. Im Alumnat erhalten sämtliche Zöglinge rituelle Kost, zu Ostern wird sie jedoch meist getrennt. »Wir stehen hier auf freiem, wissenschaftlichem Standpunkte inbezug auf das Judentum, dem wir Lehrer, — so schreibt mir Direktor Prof. Friedland, — nichtdestoweniger, oder gerade deswegen mit Liebe anhangen.« Religion und Hebräisch haben wöchentlich 16 Stunden, Geschichte und Literatur wird aus einem eigenen Leitfaden »zum Gebrauch der Jacobsonschule« unterrichtet. Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die sonstigen Erziehungsprinzipien der Jacobsonschule, so finden wir sie selbstredend denen der Samsonschule in Vielem ähnlich. Ich würde sagen, dort steht die Individualität im Vordergrund, hier der Gemeingeist, jenes Zusamrnengehörigkeitsgefühl, das alle Schüler von heute und von gestern wie zu einer großen Familie zusammenfaßt. Besonders bei feierlichen Gelegenheiten zeigte und betätigte sich dies in ganz imposanter Weise, so zu des Stifters 100. Geburtstag, zur Centenarfeier der Anstalt oder zur Hausweihe. Von Fern und Nah strömten die Kinder aus allen Gauen des Vaterlandes ihrer alma mater zu, und selbst aus New-York und Hongkong kamen herzliche Grüße und klingende Münzen für die Fonds der Schule. Nebst der Munifizenz der Jacobsons, deren Stiftungen in die Hunderttausende gehen, verdankt es die Jacobsonschule dieser Opferfreudigkeit ihrer ehemaligen Zöglinge, daß sie heute »ohne staatliche und gemeindliche Beihülfe nicht bloß fest gefügt und wohl fundiert dasteht«, sondern auch namhafte Beträge für Stipen־־

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