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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 438

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
Die jüdischen Realschulen Deutschlands
Date
1914-01-01
Page
Seite 438 (sequence 9)
Language
German
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438 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. Versuch der Trennung von Schule und Kirche, und vor allem das Ideal des Allgemeinmenschlichen, vor dem alle Scheidewände von Rang und Stand, von Nation und Konfession zur Erde stürzen mußten. Alle diese Ideen hatte Jacobson in sich aufgesogen, und als getreuer Trabant der Mendelssohn’schen Sonne, als eifriger Vorkämpfer und Fahnenträger der von Frankreich damals ausgehenden Judenemanzipation wünschte er vor allem seinen Glaubensgenossen nützlich zu werden. Warmfühlend nahm er das Judenelend seiner Zeit wahr, er sah manche Fehler und Irrungen, ethische und ästhetische Mängel seiner Brüder und suchte ihnen abzuhelfen. Als Hofagent und Vertrauter der Braunschweigisehen Fürsten wollte er seine Nation einerseits von den äußeren Fesseln befreien, die fremde Mächte ihr auferlegt hatten, und war der ersten einer, der z. B. den beschämenden Leibzoll in seinen Landen aufheben ließ, andererseits verkündete er als Rabbiner und später Vorsitzender des Konsistoriums die innere Emanzipation, die Selbstbefreiung von den geistigen Fesseln des Ghettos. Als Entgelt für die empfangenen »Menschenrechte« müsse das Judentum nun »Menschenpflichten« übernehmen, war seine innerste Überzeugung. Was dem hochherzigen — nach Graetz zwar etwas überspannten — Schwärmer als Ideal für die jüdische All״ gemeinheit vorschwebte, das suchte er in einem engen Kreise, in erster Reihe für die verwahrlosten Juden seiner Heimat, zu verwirklichen. Deshalb erwarb er mit schwerer Mühe in dem am Harz gelegenen kleinen Seesen ein Grundstück, auf dem er im Jahre 1801 eine »Reiigions״ und Industrieschule« errichtete, für einstweilen zwölf Frei״ schüler. Seine erste, große Genugtuung war es, als schon vier Jahre später die Seesener Bürgerschaft, die der Judenschule anfangs Hindernisse in den Weg gelegt hatte, selbst darum ersuchte, ihre Kinder dorthin schicken zu dürfen

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