Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 435 (sequence 6)
- Language
- German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 435 bergt die Anstalt nebst den verschiedensten deutschen Reichsangehöngen jedes Jahr auch 10—15 Schüler aus den fernen osteuropäischen Ländern, sogar einige Amerikaner. Hiemit erklärt sich etwa auch der auffallende Umstand, daß die oberen Klassen meist besser besucht sind, als die unteren. 1896 bezog die Anstalt ihr neues Heim, das 3/4 Stunden außerhalb der Stadt, längs der Braunschweig־Wolfenbütteier elektrischen Bahn, am Rande von Wald und Gärten gelegen, ein ideal zu nennendes Schulterrain abgibt. Das zweistöckige, modern eingerichtete Anstaltsgebäude vereinigt in sich sowohl die Unterrichtsräume, als sämtliche Lokalitäten für 150 Alumnen, die im Hause selbst des Brausebades nicht entbehren. Die beschränkte Anzahl der besetzbaren Stellen macht eine sorgfältige, bis ins Detail gehende wirkliche Erziehung der Zöglinge möglich, an der ein zehngliedriger, fast rein-jüdischer Lehrkörper mit Liebe arbeitet und z. B. in herkömmlicher Weise jede Woche Konferenzen über Fleiß und Betragen der Zöglinge abhält. Großes Gewicht wird auf die körperliche Erziehung, auf die Abhärtung der Schüler durch Spiel, Spaziergang und Schwimmen gelegt; — ein älterer Jahresausweis erzählt mit Stolz, daß von 1818-86, also während fast 70 Jahren, bloß ein Todesfall in der Anstalt vorgekommen sei, an der damals schon 2 Hausärzte, Vater und Sohn, gewirkt hatten. Die Schüler werden an Pünktlichkeit und Unterordnung gewöhnt, dabei wird auch für die sögenannte Gemütlichkeit gesorgt: ein Gesang- und Orchesterverein veranstaltet Konzerte, auch Bälle und Tanzkränzdien, der »Dramatische Verein« führt auf eigener Bühne Schul- und Gelegenheitsstücke, gelegentlich sogar die Forumszene aus Julius Caesar in englischer Sprache auf, die oberen Klassen werden »zur Belohnung« hie und da ins Höftheater nach Braunschweig geführt. An den Winter- Freitagabenden vereinigt sich die ganze Corona samt