Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 434 (sequence 5)
- Language
- German
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434 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. die Schule in eine höhere Lehranstalt umzuwandeln. Durch verschiedene ungünstige Verhältnisse waren sie aber erst unter dem heutigen Direktor im Jahre 1888 von Erfolg gekrönt. Die Schule wurde vom herzogl. Staatsministeriuni in Braunschweig als sechsklassige Realschule anerkannt, der Leitung und Oberaufsicht der herzogl. Ober-Schulkommission unterstellt und erhielt dann 1892 (mit rückwirkender Kraft bis 1889) die Berechtigung zur Zeugnisausstellung für den einjährigen Militärdienst. Parallel der äußeren Entwicklung änderte sich natürlich auch die innere Organisation der Schule : neue Lehrziele traten auf und die Lehrpläne schmiegten sich immer mehr den offiziellen Vorschriften der betreffenden Schulgattung an. Die Schülerzahl, die bis 1871 durchschnittlich bloß 30 betrug, näherte sich in den 80—90-er Jahren dem Hundert; darunter befanden sich seit 1881 auf vielseitig geäußerten Wunsch der Eltern auch christliche Schüler, gewöhnlich 10—15 an der Zahl, ebenso wurden sogenannte Stadtschüler, d. h. Nichtinternisten, aufgenommen, meiner Statistik nach niemals mehr als 20. Seit Anfang des Jahrhunderts steigt die Gesamtzahl auf 150, dahingegen gibt es seit 1909 überhaupt keine Nichtjuden mehr in der Anstait, Stadtschüler bloß 1—2: der Direktor hatte den einheimischen Eltern den Besuch der städt. evang. Realschule anempfohlen, die dem Bedürfnis völlig genügt. Die Samsonschule nahm infolgedessen ganz den Charakter einer reinjüdischen Erziehungsanstalt an, deren Hauptgewicht im Internat liegt, deren Hauptbestreben die Vermehrung der Freistellen und deren Hauptaufgabe die individuelle Erziehung ihrer Pfleglinge bildet. Und diesen Ansprüchen entspricht sie auch musterhaft. Für ihre Beliebtheit zeugt die statistische Tabelle der Heimatsverhältnisse: die überwiegend größte Anzahl der Schüler stammt aus Preußen, nicht aus Braunschweig, was mit der geographischen Lage des Landes in Verbindung zu stehen scheint, doch beher-