Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 30)
- Language
- German
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424 Eine unbekannte jüdische Sekte. auch in der Pesikta R. VIII, 30 a gebraucht, wo die Olivenbäume in der Vision Secharias (IV, 11) in folgender Weise gedeutet werden : »das sind die zwei Messiasse, der eine ist zum Kriege gesalbt, der andere zum König über Israel gesalbt« : אילו שגי המשיחים אחד משוה מלחמה ואחד משוח למלך על ישראל. Daß an dieser Stelle nicht von dem Messias b. Joseph, als dem משוח מלחמה, die Rede sein kann, braucht nicht weitläufig auseinander gesetzt zu werden1), die Gesamtliteratur der Juden kennt keine andere Deutung »der Olivenbäume« als die, daß sie für das aharonidische Priestertum und das davidische Königstum stehen2 * * * * *). Während aber sonst dermessianischeHohepriester unter »dem aharonidischen Olivenbaum« verstanden wird, findet darin die Pesikta »den aharonidischen Kriegsgesalbten«. Freilich ist dem messianisehen Kriegsgesalbten eine viel bedeutendere Aufgabe zugewiesen, als dieser schlichte Titel vermuten ließe. Er ist nicht etwa ein Beamter des Messias, dem dieser die Bekämpfung seiner Feinde anvertraut, sondern er teilt sich mit diesem in das Werk der Erlösung. Dieser ist »der Friedenfürst«, bei dessen Auftreten der Kriegsmessias schon das Joch der Heiden gebrochen und sie vernichtet haben wird8) und *) Friedmann z. St. erklärt daher ganz richtig דהיינו כה] ומלך, ohne j*edoch zu bemerken, daß an anderen Stellen in den Midraschim und sogar in der Pesikta selbst (XV, 75a) משוח מלחמה, der Titel des Messias b. J. ist. 2) Vgl. z. B. Sifra zu VII, 35; Sifre sutta, ed. Horovitz, S. 57; Ab. di-R. Nat. XXXIV, 100, u. a. v. a. O. Eine feine dichterische Verwertung dieser Deutung ist Gabirols Hymne שגי זיתים für das Channkkafest. Der Verfasser des רוקח in seinem Kommentar zu den Haftarot רמזי הפשרות bemerkt zu diesem Verse des Sechariah (בהעלותך) daß die בני היצהר die »beiden Messiasse« wären; er benutzte diese Pesiktastelle, die er freilich nicht richtig deutet. *) Über das Los der Heiden in der messianischen Zeit gehen die Ansichten der rabbinischen und der apokryphischen Quellen weit auseinander. Tanchuma, Ende Schoftim, behauptet, daß die Heiden zuerst sich freiwillig dem Messias unterwerfen werden, dann aber in einem Anfall von Wahnsinn sich empören, 80 daß sie alle vernichtet