Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 17)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 411 in Ihrem Niedergang boten sie dem Messiasideal gar nichts. Die als Parallele herangezogene Verstellung der Testamente von einem Priestermessias würde auch dann nichts beweisen, wenn sie auf richtiger Voraussetzung beruhen würde, was, wie wir gesehen haben, nicht der Fall ist. Die jüdische Umarbeitung dieses Pseudepigraphs zeigt, daß sogar in den Kreisen, in denen man, durch die glänzenden Leistungen der Makkabäer angeregt, eine kurze Zeit an den Priestermessias dachte, sich durch die Ereignisse — den Fall der Hasmonäer — gezwungen sah, zum alten Glauben an den davidischen Messias zurückzukehren. Und unsere Sekte sollte zur Zeit des Niederganges der Hasmonäer in diesen das Ideal für ihre messianischen Hoffnungen gesehen haben?! Fassen wir die Resultate unserer Untersuchung über die erwähnten Punkte zusammen, so ergibt sich folgendes: Einen *Messias aus Levi und Judah, bezw. Judah und Levi« kennen die Testamente nicht. Der Priestermessias ist höchstwahrscheinlich eine christliche Vorstellung. Wenn er aber eine jüdische wäre, so existierte sie nur während der Blütezeit der Hasmonäer und wurde mit ihrem Niedergange aufgegeben. Unsere Schrift kann unmöglich einen hasmonäischen Priestermessias lehren, und ebensowenig ist die Doppelbezeichnung: »Messias aus Aaron und Israel« für einen solchen möglich. Um nun zum richtigen Verständnisse der Messianologie in unserer Schrift zu gelangen, müssen wir uns über einige Punkte in der Entwicklung der messianischen Hoffnungen Klarheit verschaffen. In einer der ältesten messianischen Prophezeiungen der Bibel, in der Olivenbäume-Vision des Sechariah — IV, 3 ff — erscheinen als die Träger des Heiles die beiden Söhne des Öls, d. h. der Gesalbte Davids משיח בן דוד und