Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 15)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 409 gehört1 *). Die größte Wahrscheinlichkeit hat daher die Annähme, daß der Priestermessias eine christliche Schöpfung ist; Christus als Priester ist ein Gegenstand, dem schon der Brief an die Hebräer eine ausführliche Erörterung widmet — V, 1 ff — und es kann uns gar nicht Wunder nehmen, wenn ein christlicher Bearbeiter der Testamente diese ihm von den paulinischen Schriften her bekannte Vorstellung in sie hineintrug. Die Ansprüche Jesu auf den davidisehen Thron lassen sich mit der angeblichen davidischen Abstammung Josephs schlechterdings nicht rechtfertigen, falls die Lehre von der Jungfräulichkeit Mariae aufrechterhalten werden sollte. Es war demnach ganz natürlich, daß in manchen christlichen Kreisen sich das Bestreben fühlbar machte, die messianischen Ansprüche Jesu mit der priesterlichen Abkunft Marias3) zu begründen, und daher den Priestermessias in die Testamente hineintrug. Wie es aber auch mit dem Priestermessias der Testamente sich verhalte, ob er dort jüdischer oder christlicher Herkunft sei: eines steht fest, »einen Messias von Levi und Judah« bezw. »von Judah und Levi« kennt dies Pseudepigraph nicht Entweder sprach die Urschrift, die etwa um die Zeit Johann Hyrkans abgefaßt worden ist, von dem »aus Levi« zu erwartenden Messias, und der Zusatz »aus Judah« stammt aus einer Zeit, in der die Hasmonäer die auf sie gesetzten Erwartungen arg enttäuschten und der alte Glaube an dera Sprossen Davids wieder lebendig wurde3), l) An einigen Stellen — vgl. das Register bei Charles — wird besonders hervorgehoben, daß Levi größere Bedeutung zukomme als Juda, womit nur gesagt sein soll, daß die geistigen Führer Israels höher stehen als die politischen; das hat mit der Messiasfrage nichts zu tun. Ben Sira vertritt einen ganz ähnlichen Standpunkt. י) Dies wird in den Apokryphen des N. T. häufig erwähnt und das war vielleicht schon Lucas — I, 5 — bekannt. י) Möglich, aber weniger wahrscheinlich ist es, daß »und Juda« von der Hand eines Christen herrührt, der an der gemeinchristlichen Vorstellung von Jesus, dem Nachkommen Davids, festhielt.