Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 3)
- Language
- German
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380 Besprechungen. seiner Geschichte wegen. Das ganze 12T0n-System heißt »temperiertes« System, da die Abweichungen dieser Kompromiß-Skala von den natürlichen Schwingungsverhältnissen künstlich ausgeglichen werden. Wir legen aber nicht jedem Tonstück die ganze »chromatische« 12T0n-Skala zu Grunde, sondern wir haben »diatonische« 7T0n־Skalen (»Tonleitern«), in denen immer nur nach zwei oder drei »Ganztonintcrvallen« (etwa gleich 2 »Halbtönen«) ein »Halbton« folgt. Wir unterscheiden diese Tonleitern, die bei uns übrigens nur noch sehr geringe melodische Bedeutung — ganz anders als bei den Arabern — haben, nach zwei Gesichtspunkten: der Höhenlage und der Folgeordnung der Intervalle. Nach der Höhenlage scheiden wir die auf jedem innerhalb einer Oktave denkbaren Ton auf gebauten Tonleitern der 12 »Tonarten«, nach der Aufeinanderfolge die »Tongeschlechter« Dur und Moll; maßgebend ist das »diatonische« Prin« zip, doch finden wir (in der sogen, »harmonischen Molltonleiter«) auch ein »übermäßiges« Intervall, das die Größe dreier Halbtöne hat. Ganz anders nun der Araber. Der erste Abschnitt der Idelsohnschen Arbeit beginnt mit der Feststellung, daß der A r aber innerhalb einer Oktave 24 Töne, also die uns überhaupt nicht geläufigen Vierteltöne unterscheidet. Der Umfang des gesamten arabischen Tonmaterials beträgt (gegenüber unseren 7 Oktaven mit 84 Tönen, zu denen noch 4 Zusatztöne kommen) 2 Oktaven mit 48 Tönen und einem Zusatzton. Die Entstehung ist so, daß es (ähnlich unseren 7 diatonischen Tönen) zunächst 14 (=2X7) »leitereigene« Töne gibt, zwischen diesen ebenso viele Nebentöne, abgesehen von diesen die Haupttonintervalle aber auch noch wechselnd in 3 oder 4 Viertelintervalle geteilt werden, so daß innerhalb einer Oktave, von welchem Haupt-, Neben- oder Viertelton . sie auch immer begönnen wird, sich 24 Töne ergeben. Die Haupt- und Nebentöne haben fast alle eigene, nur wenige abgeleitete Namen, während die Vierteltöne alle nach den Halbtönen benannt werden (mit Hinzufügung von »weniger« oder »mehr«). In den einzelnen Tonleitern nun, die aus dieser Gesamtskala herausgeschnitten sind, kommen 1/4- bis ®^*•Intervalle (unserem »übermäßigen« Ganztonschritt etwa entsprechend) vor (»leitereigene« Intervalle). Die Tonleitern, die viel zahlreicher als bei uns sind, werden daher nicht nur (wie bei uns) nach Tonhöhe und Reihenfolge der Stufen unterschieden, sondern zunächst überhaupt nach der sehr mannichfachen Besch affenheit der Stufen. Außerdem aber hat in der arabischen Musik die Tonleiter noch (anders als bei uns) ihre große Bedeutung als Grundlage für bestimmte melodische Wendungen, für »Ton weisen« (entfernt den »Meistersingerweisen« vergleichbar), und diese »leitereigenen Weisen«