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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 3 · p. Seite 379

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1914-01-01
Page
Seite 379 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 379 und zwar itn Anschluß an die Theorie, die nach Idelsohns Meinung — es wäre das ähnlich wie in Europa im Mittelalter — spekulativ ihre eigenen Wege ging, ohne sich um die völlig verschiedene Ent- Wicklung der Praxis zu kümmern. So sagen uns diese Werke aber nichts davon, wie heut arabische Musik klingt und wie sie praktisch geübt wird. Wir haben immer nur geahnt, daß es hier eine besondere Art exotischer Musik gebe, ohne über ihr Wesen Auf- Schluß erhalten zu können. Das Musiklexikon Hugo Riemanns, das sehr gewissenhaft geführt ist und in der neuesten Auflage (1914) auch die Ideisohnsche Arbeit bereits verzeichnet, nennt im übrigen nur historische Werke und betont ausdrüklich, daß Idelsohn im Gegensatz zu den andern über neue arabische Musik schreibe. Daher hatte Idelsohn nur einen einzigen Weg, um zum Ziele zu kommen: er mußte persönliche Erfahrungen sammeln, arabische Musik praktisch erlernen, um erst aus den Einzelheiten der Praxis die theoretischen Grundlagen zu abstrahieren und zu systematisieren. Er hörte nicht nur za, mit dem Ohr des Europäers, sondern er lernte »arabisch hören« und machte, um eine ganz sichere Kontrolle zu haben, eine Unzahl phonographischer Aafnahmen von Melodieen, deren Iniervallfolgen er durch Tonmessungen einwandfrei feststellen konnte. Allein in dem kleinen, nur vier Bogen starken Hefte1), das mir vorliegt, sind mehr als 150 Ton weisen so verzeichnet, daß uns wenigstens die Möglichkeit gegeben wird, uns in diese ganz fremd geartete Melodik allmählich hineinzuhören und zu -singen. Die wiedergegebenen Weisen sowohl wie die daraus hervorgegangenen theoretischen Erkenntnisse Idelsohns sind die Früchte einer langen und schweren Sammlerarbeit, die auch durch das Vorhandensein zweier neuerer Theorien von orientalischen Musikern, Darwisch Muhammad und Muhammad Kamel el-Kho- I a y, nicht erspart wurde. Idelsohns Arbeit ist lediglich ein Grundriß der Melodielehre der Araber. Sie soll die Grundsätze darlegen, nach denen der Araber seine Weisen singt oder spielt; selbst Erörterungen über Rythmik sind ausdrücklich ausgeschlossen (S. 16.). Der Verfasser weist zunächst nach, daß das Tonmaterial, das der Araber für seine Musik zur Verfügung hat, das europäische an Differenziertheit weit übertrifft. Der Europäer unterscheidet in einer Oktave, d. h. in dem Raum zwischen zwei Tönen, deren Schwingungszahlen im Verhälinis 1:2 stehen, praktisch 12 Töne, die etwa gleichen Abstand von einander haben; man nennt den Abstand Halbtonintervall, — Andere Publikationen sind in nicht langer Zeit zu erwarten.

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