Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 15)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 373 Einkommen ein ehrlicher Mann sein und sage daher: es ist eine Unverantwortlichkeit, sich bei der Darstellung einer Volksgenossenschaft so weit von der Wahrheit und Wahrscheinlichkeit zu entfernen. Ebenso wahr und schön ist die Schilderung einer Gruppe polnischer Juden. Der Vater im Kaftan, der lange Bart, den nie ein Messer berührt, leicht ergraut und nun kommts: in den Augen ruht finstere Nacht, die Nacht, die Ägypten geschlagen. (Hat das nicht der liebe Gott getan?) Es sind schweigsame, grollende, haßerfüllte Augen, die eine Welt verdammten und um eine Familie sorgten. Blutig rot, ein breiter Streifen, liegt die Unterlippe zwischen dem Bart, sie fügt sich fest und stark, das Blut Abrahams durchfloß sie. Ist das etwa nicht schön und nicht naturgetreu? Kurt Günther fällt das innige Familienleben aller Juden auf. »Es blieb das ewige Geheimnis einer Rasse (gottlob, endlich wieder dieses Wort), weshalb sie seit Jahrtausenden in der Öffentlichkeit mit ihren Fehlem protzt und ihre Vorzüge zwischen den verschlossenen Mauern ihres Heims verborgen hielt. Stärkte sich an dem immer aufs neu (!) geweckten Haß die ungeheure Widerstandskraft des Stammes? Wäre es nicht besser, wenn sie die harten, jahrtausende alten Mauern niederrissen und hinausströmen ließen das Judenblut, daß es in Tropfen das ganze unermeßliche Völkermeer durchfeuchte, ihm von seiner Urkraft gebe und in sich aufnehme die belebende, sich immer erneuernde Frische einer gesunden Materie?« Beim Feste erfolgt die Erklärung, und Kurt Günther ist verlobt, er weiß selbst nicht, wie er so schnell habe Bräutigam werden können. Frieda ist ohne Kampf bereit, sich taufen zu lassen, obwohl ihre Eltern sich ebenso hartnäckig gegen eine Verbindung mit einem Christen sträuben würden, als die seinigen gegen einer solche mit einer Jüdin. Ihm ist der Widerstand ihre r Eltern völlig unverständlich, es ist doch offenbar eine Ehre für eine Jüdin. Schon jetzt erzieht ihn Frieda, versucht seine zerfiatternden Gedanken