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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 3 · p. Seite 372

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 3
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 372 (sequence 14)
Language
German
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372 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman sogleich einen Anstrich von Wohlhabenheit gegeben, um — leichter Hypotheken darauf aufnehmen zu können. »Lassen Se mer die Zeitung da, wenn Se se schon gelesen haben«, sagt er oft zu Kurt Günther, denn jeder Genuß freut ihn doppelt, wenn ihn ein Anderer bezahlt hat. Kurz, es ist ein Idealmensch, der sich seine »Peies« nur mit wütendem Schmerz abgeschnitten hat. Die Familie selbst lebt einfach, genügsam, nur der Frau kauft er von Zeit zu Zeit ein Schmuckstück, sorgt dafür, daß sie gut und reich gekleidet sei, in Spitzen und Seide, wenn sie sich in der Öffentlichkeit zeigt; zu Hause freilich geht sie jahraus, jahrein in Kattunjacken und den abgelegten Röcken ihrer Mutter herum. Im Sommer reisen beide in ein Bad. Er wird von Tag zu Tag reicher, die Kinder sind ungeheuer fleißig, geizen mit der Zeit wie mit dem Geld, und in ihren Augen, in dem ernsten Judenblick, liegt das Leid von Jahrtausenden. Das ist offenbar eine Lesefrucht. Die ganze Familie hängt eng zusammen, und das ist furchtbar; denn man denke nur, sie zählt außer dem Vater, der Mutter, der Großmutter und den elf vollkommen lebendigen Kindern noch 10 — zehn —Schwestern, die in allen europäischen Staaten verheiratet sind, während allerdings der arme Feigelstock selbst nur 8 — acht — Brüder hat, die als Advokaten, Ärzte, Geschäftsleute ihn auf allen Gebieten billig mit Rat- Schlägen versorgen. Arme Arier, arme Deutsche l Da könnt ihr freilich nicht aufkommen. Bloß Frieda ist eine Ausnähme; sie will allein sein oder in Gesellschaft von Christen. Es gibt natürlich auch Nichten und Neffen. Einer von diesen, der aus London kommt, erzählt unaufhörlich von seinen vornehmen Bekanntschaften in England und mit dem Daumen im Armloch versichert er: »Ich habe mich schwer aufgeschwungen, aber ich habe jetzt ein Einkommen von viertausend Pfund jährlich (die Dichterin läßt sich, wie man sieht, nicht lumpen) — ich kann wahrhaftig ein ehrlicher Mann sein«. Auch ich will ohne viertausend Pfund jährliches

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