Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 13)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 371 Gast hören kann, der sich als Künstler, Dichter, Schriftsteiler, Architekt vorstellt. »Is das nit zu viel? Kann man davon leben?« Trotzdem daß Frieda so fein und klug ist, erkennt sie doch nicht die Hohlheit des Mannes|und verliebt sich schrecklich in ihn, obwohl er als ein Mensch von kompliziertem Seelenleben, als den er sich selbst erklärt, natürlich nicht an die Ehe denkt. »Du fasseist wieder viell unnitzes Zeug«, meint sein Zimmergenosse, der prächtige polnische Oberleutnannt Bogusch. Als Nebenfigur erscheint noch ein anderer Jude, der natürlich Rosenzweig benamst ist. Der rühmt sich in der feinsten Gesellschaft einem Grafen gegenüber, er gebe ein falsches Kronenstück, das man ihm (dem Juden?) angehängt, auf der Reise wieder irgend einem Gepäckträger; der möge Zusehen, wie er es los werde. Er wünscht auch das G61d zu haben, das jetzt in China gestohlen wird. Das mißfällt der Hofrätin, deren Mutter eine Jüdin war: »Ich kann die Juden nicht leiden« und greift nach dem Brillantkreuz an ihrem Halse. Kurt Günther verkehrt immer häufiger im Hause Feigelstocks, obwohl sich anfangs sein arisches Bewußtsein gegen den Verkehr mit der jüdischen Familie sträubt. Die Schnurren und Witze, die Feigelstock behaglich erzählt, drehen sich zumeist um kleine Übervorteilungen, die ihm gelungen sind. Dem Besucher ist, als ob er im alten Testament lese. Laban und Jakob und Moses’ Mutter, alle haben getäuscht, der ganze Pentateuch berichtet vom Siege des Schlaueren. Nun, auch diese geistreiche Ansicht ist eben nicht neu. Bei einer Zusammenkunft im Gasthause hat sich der Kellner geirrt. Lächelnd läßt es der reiche Feigelstock, der es zuerst bemerkt, hingehen. »Laß nur, s’is zu seinem Nachteil« und das in Gegenwart Friedas und Kurt Günthers. Er rühmt sich, als ob es die schönste Sache der Welt wäre, ein paarmal Konkurs gemacht und dadurch sein Vermögen gefestigt zu haben. Sein Haus hat er in völlig verwahrlostem Zustande von einem verarmten Christen gekauft, ihm aber 24*