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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 3 · p. Seite 370

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 3
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 370 (sequence 12)
Language
German
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370 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Kurt Günther mit anderen Damen gegen »Rachel oder Sarah«. Da aber die Präsidentin die Kabinetsfrage stellt, fügt sich schließlich alles. Frieda eine schlanke, dunkle (?) Gestalt von zarten und doch vollen Linien, (ist das, o Dichterin, nicht ein Unsinn? Kann eine Linie voll sein?), mit Haar von tiefstem Schwarz, gelblich-blassem Gesicht, fast ein wenig zu dunkel (das gelblich-blasse Gesicht!) für Kurt Günthers Geschmack, mit einschmeichelnder Stimme und manchmal, trotz ihrer fabelhaften Begabung und ganz hervorragenden Intelligenz unschön gekleidet, benimmt sich ruhig, tadellos, ungeziert. Unter den Ihrigen und in der Stadt, wo man sie kennt und ihr als Jüdin mit Vorurteilen entgegentritt, fühlt sie sich fremd. Aber der Vater, der Vater Feigelstock! Der ist Agent in Realitätenverkauf, Petroleum, Zucker, Knoppern (besonders Knoppern!), Azetylen und allen Arten Rohwaren, auch Speck, hat natürlich scharf gebogene Nase, spitze Zähne, auf der einen Handfläche eine Warze (bitte Warze, nicht Wanze!) und 12 Kinder, davon 11 am Leben. Aber wenn man glaubt, daß der liebe Feigelstock originell gezeichnet ist, seine Frau Rosalie ist es nicht minder. Die schöne Dame ist kurzhalsig, erfreut sich schwarzen Haares, eines miederlosen, starken Leibes, eines Doppelkinnes, eines gebogen Rückens und — last not least — einer schmutzigen Schürze. Sie findet, daß Wohltätigkeit eine sehr schöne Sache ist, besonders im Stillen ausgeübt. Daher erzählt sie Kurt Günther gleich bei dessen erstem Besuche, sie lasse jeden Freitag die Armen zu sich kommen und beschenke sie, niemand, in der Stadt wisse davon. Das Haus ist, wie der Besucher sieht, mit unerhörter Geschmacklosigkeit ein• gerichtet, aber — peinlich sauber. Die Großmutter entspricht den Eltern, d. h. sie ist ein Zerrbild. Daß sie jüdeit wie Frau Rosalie, mag hingehen. »Gib den Schnaps runter — aber den schlechten un die Zigarren aus der Schachtel beim Bett, die billigem«, befiehlt sie, wenn es auch der

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