Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 10)
- Language
- German
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368 Die Darstellung der Judea im deutschen Roman fuhrt über jedes Ziel wieder hinaus«, erklärt er froh. »Kennst du den Weg, den unser Stamm geht? Ahasver geht ihn«. Und sie erwidert: »Nimm mich mit dir — auf Ahasvers Weg!« Damit schließt das Buch. Es behandelt, wie wir sehen, die in der Gegenwart nicht seltenen Ehen zwischen dem armen Adel und reichen Jüdinnen oder armen, adeligen Fräulein mit reichen Juden und deren Ergebnisse. Werden auch nur gewisse Kreise der Gesellschaft betrachtet, das Ergebnis bleibt, daß die Juden, insbesondere Adeline und Wolfgang, eigentlich unendlich adeliger sind, als die Feudalen Philipp oder Laura, deren Vornehmheit nur in der Standesangehörigkeit liegt. Insbesondere ist, ob von der Verfasserin beabsichtigt oder nicht, ich glaube das erste, zu beachten, daß der den Juden eingewurzelte Wohltätig* keitsinn, die Menschenliebe, die »christliche Liebe«, überall zutage tritt. Die ganze Darstellung mag einseitig, tenden* ziös sein, jedesfalls ist es wohltuend, daß den Juden gegenüber sich Gerechtigkeit zeigt. Wer aber von der Verfasserin des »Nixchen« Pikanterien erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Mischehe hat sich auch Maria Stona in: Rachel, Roman einer Mischehe (Dresden, Karl Reisner, o. J. [1909] 317 S.) zum Vorwurf genommen. Eigentlich aber führen uns sowohl der Titel, als auch die Vorankündigung irre. Die Heldin heißt nicht Rachel, aber es sei, eine Jüdin muß nun einmal Rachel oder Lea heißen, und die Geschichte führt uns nur in den Anfang der Ehe. Was weiter geschehen, ob sie sich bewähren wird, was wir gern wissen möchten, erfahren wir nicht. Um es gleich zu sagen, ich möchte nach dem, sagen wir, Charakter des Helden, wenn man seine Charakterlosigkeit so nennen darf, glauben, sie werde schließlich ebenso unglücklich enden, wie die meisten Mischehen, wenn der erste Rausch verflogen ist. Doch hören wir! Kurt Günther — halt! Das ist ja ein Bekannter aus G. Freytags: Soll und Haben1), ebenso wie Frau Rosalie J) 1. T. s. 383.