Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 8)
- Language
- German
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366 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman »Was gibt Ihnen einen so festen Halt? Ist es Pflichtbewußtsein?« fragt sie Adeline, und diese antwortet: »Ästhetik, Ablehnung des Häßlichen«. »Trotzdem betrögt sie ihr Mann offenkundig«. Die Fürstin entflieht wenige Tage später mit einem Holzfäller in die Schweiz, und Philipp verurteilt sie sehr hart, er nennt sie nur »das Weib« und »die Person«, setzt aber gleichwohl sein verbrecherisches Verhältnis zu Laura fort und Adeline weiß darum und will Rose, das Kind, das ihm entsprossen ist, bei sich aufnehmen. »Es ist deine Rache an ihm«, ruft Laura. »Sechsfach und hundertfältig-jüdisch willst du dich rächen!« »Jüdisch vielleicht.— Gib mir die Kleine!« Adeline will das Kind haben; Laura will Philipp kränken, ihre Liebe zu ihm hat sich in Haß verwandelt. »Er schämt sich vor dir. Niemand fürchtet er wie dich, wie deine Ehrlichkeit und Unangreifbarkeit*. Sie hat Recht, Philipp haßt seine Frau sogar. Wolfgang hat indessen von seinem Bruder und dessen Standesgenossen sehr viel zu leiden. Rosa wächst zu einer Schönheit heran, in der blühende, lockende Sinnlichkeit ist und nichts weiter. Für Philipp ist allmählig Nadlitz nur Tauschobjekt geworden, während Adeline ihm die Sorge für das eigene Haus abnimmt, pflanzt und gründet. Sie hat hier eine Heimat gefunden. — Wolfgang gehört zu ihr, zu Ahasvers Geschlecht; er ist eigentlich vornehmer als Ulrich, das fühlt auch Philipp. So verstreichen die Jahre. In einer Versammlung, die Wolfgang besucht, spricht Klaus von Uchtenhagen, ein Radauantisemit. Er bringt die landläufigen Vorwürfe gegen die Juden vor. Wolfgang sucht ihn ruhig zuwiderlegen und was er sagt, ist richtig: »Die Gesetzgebung hat den Juden mit andern Staatsbürgern gleiche Rechte gegeben. Sie wußte, was sie tat und warum sie es tat... Die Juden sind keine Fremden mehr, sie zahlen Steuern, erfüllen die Wehrpflicht, tragen an Unglück oder Glück ihres Volkes mit. Ob Sie ihre Gegenwart als Glück oder Unglück betrachten