Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 5)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 363 die Verfasserin. In der adeligen Umgebung gewiß nicht. Philipp z. B., der in seinem Hause unter dem Gesinde keine Zuchtlosigkeit duldet, bricht für seine Person die Ehe. Zu dieser Umgebung gehört auch der größte Magnat der Provinz, Fürst Ferdinand Hohenlaun, verheiratet mit Miss Daisy Simpson, der Tochter eines ehemals jüdischen amerikanischen Millionärs. Daisy ist das Gegenstück Adelinens, leichtfertig, vorurteilslos, scharfen Blickes. »Ich finde gerade*, erklärt sie dieser einmal, »ihr (des Adels, von dem sie reden) alter Hokuspokus der Vergangenheit soll dienen, unsere Modernität zu würzen. Mich kitzelt eben auszudenken, meines Vaters Schweineschmalz erwarb mir das alles: Wappen, Diademe, Sechzehnender. Sie, Adeline, raachen bis auf die Nagelprobe mit«. »Und die neue Herrenrasse, womit wir sie beschenken, Fürsten mit krummen Beinen, die rechnen können, und Herzoge, die Kunstbutter und Schmieröl erfinden« sagt sie ein andermal, erbittert über den Hochmut des herrschenden Adels, der nach ihrer Ansicht so wenig Berechtigung hat. Wir sehen auch vorurteilslose Jüdinnen teilen das Vorurteil, Juden müssen krumme Füße und Beine oder Plattfüße etc. haben. Als man in Gegenwart Philipps von der reizenden Frau spricht, schließt er mit den Worten: »Ihr habt einen Geist des Zweifels in die Weltordnung (??) hineingetragen, der sie zerstört« zum ersten Male auch seine Gattin, die Gräfin Rechtem auf Nadlitz, mit in ihre Rasse, in das moderne, ihm entgegengesetzte Prinzip ein, sie, die sich, ihrem Manne immer mehr entfremdet, ganz nach dem Vorbilde seiner Mutter, einer vornehmen, gläubigen Natur, zu bilden sucht, um einen festen inneren Halt zu gewinnen, denn in ihr wächst das Gefühl der Heimatlosigkeit, auch nachdem sie den Erben von Nadlitz geboren hat, der sich körperlich wie geistig zu einen vollkommen germanischen Junker entwickelt, schon als Kind stolz, herrisch, kalt, ganz nach der Vaters Art. Der zweite Sohn Wolfgang ist schwach