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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 3 · p. Seite 361

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 3
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 361 (sequence 3)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 36t glücklich fühlt; sie ist ein Engel, nur duldende Güte. Sie hat sich von den Besuchen der armen, gewöhnlichen Verwandten, die laut sprachen und heftig gestikulierten, angewidert gefühlt. Schön war für sie und Hertha gleichbedeutend mit Adel, mit nicht-jüdisch. Sie aber und die Eltern waren häßlich, also jüdisch, gezeichnet, erblich belastet. Natürlich hatte sie sich taufen lassen, sie war schon früher heimlich Christin, sie liebte die Persönlichkeit Jesu, die Vertiefung in sein Wesen hat ihr den Übertritt Verhältnismäßig leicht gemacht. Leicht war er auch Bob geworden; Isidor Goldstein, seine Frau und Hertha bleiben Juden. Adeline wohnt nun auf Nadlitz. Zwischen dem jungen Ehepaare herrscht nicht gerade Liebe; auf der einen Seite hat die harte Notwendigkeit, auf der anderen der Wunsch, aus der bisherigen Gesellschaft heraus zu kommen, den Bund geschlossen. Ihm ist die Ehe nichts als das Mittel, die Familie, die Vornehmheit, die Ununterbrochenheit der Art fortzupflanzen. — Eine wirkliche, innere Übereinstimmung kann sich zwischen den Beiden nicht hersteilen. Philipp hängt aufs tiefste an den Überlieferungen, besonders an den Überlieferungen seiner Familie, so sehr sie in ihrer Bedeutung gesunken ist, Adeline vertritt nach seiner Anschauung die moderne Vorurteilslosigkeit und Wurzellockerung. Ganz entsprechend benehmen sich auch die adeligen Herren der Gegend in ihrer Gesellschaft nicht eben, wenigstens anfangs nicht, taktvoll, ersparen sich selbst Judenwitze nicht, sie sind roh, trinken und spielen und beleidigen dadurch Adelinens Schönheitsgefühl ebenso wie ihre frühere Umgebung. Laura, zwischen der und Philipp ehemals ein Liebesverhältnis bestanden hat, stellt sich ihr gleichfalls feindlich gegenüber. Sie haßt die Juden jetzt mehr als je, nachdem sie ihr den Mann geraubt. »Ihre Art ist unserer entgegengesetzt. Ich hasse ihre krummen Rücken, ihre weiche nachgiebige und schmeichlerische Art. Warum sind sie so feig und vorsichtig? Warum drängen

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