Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 27)
- Language
- German
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352 Das Königlich Westphälischc Konsistorium der Israeliten. aus schrieb er seiner Gemahlin: »Ich bin hier bei bestem Wohlsein und mit einer guten Dosis Muth und Hoffnung angekommen. Das Glück ist ein Weib, sagt man; es hat uns für einen Augenblick verlassen, aber wir werden es wieder zurückführen. Nur Geld fehlt uns«. Er täuschte sich. Immerhin war dem entthronten Fürsten ein weit freundlicheres Geschick beschieden, als dem gestürzten Giganten, seinem Bruder. Er lebte als französischer Prinz bis 1860, sah noch die Herrlichkeit des zweiten Kaiserreiches und empfing als 71 jähriger Greis 1855 in Paris den Besuch des späteren Kaisers Friedrich, des Thronerben desselben Preußens, dessen Provinzen er einst beherrscht hatte. Damals, 1813 nach der Leipziger Schlacht und seiner Flucht aber, erging es ihm, wie dem toten König der Tiere. Ein Hagel von Spottliedern und boshaften Anekdoten ergoß sich über ihn. Eines der relativ besten unter den meist elenden, anonymen Machwerken, das von dem 1811 entlassenen westphälischen Finanzminister Bülow verfaßte Singspiel »le Depart de Cassel 1813«, läßt auch Jacobsohn auftreten1). l) Das Spottgedicht ist abgedruckt bei Zimmermann »Graf Bülow und der Abschied von Kassel« in der »Zeitschrift des Harz- Vereins« 1891 S. 46 ff. Siehe auch »Hessenland« 1907 S. 251. Der Großkanzler des westphälischen Kronenordens singt darin dieStrophe: »Juden schlug ich einst zu Rittern, Wunder that das blaue Band, Doch in solchen Ungewittern Hält da wohl der Mauschel Stand? Ritter Zadig, Ritter Mayer, Heldenkühner Jacobsohn! Zittert nicht so ungeheuer, Lauft doch nicht zu Fuß davon! Auf! ihr sollt zu Rosse sitzen Und mit eurem Ritterschwert Euren bangen König schützen, Der so hoch die Juden ehrt.« Die noch geschmacklosere Strophe »Die drei Ritter« mag man a. a. O. S. 57 selbst nachlesen. Die Judenfreundlichkeit Jeromes ward mehr-