Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Erdbeben im Jahre 115 in Palästina
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 11)
- Language
- German
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300 Das Erdbeben vom Jahre 115 in Palästina, würdigerweise gar keine Deutung folgt, ein fertiges Pro* gramm gefunden haben mußte. Die Tatsache des Erdbebens wird uns ziemlich klar zum Bewußtsein gebracht; und daß sich der Freiheitsheld R. Akiba darauf beruft, ist uns Beweis genug, daß er von diesem Erdbeben den Anbruch einer besseren Zeit für sein Volk erhofft. Derselbe Schriftvers diente übrigens auch noch später a!s Stützpunkt für messianische Hoffnungen1). R. Akiba, der etwas jünger ist als die vorhin genannten Autoritäten, d. i. jünger als R. Gamliel, R. josua und Akylas, R. Akiba, von dem wir wissen, daß der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in die Bar Kochba-Zeit fällt, kann freilich auch an ein späteres Erdbeben denken, etwa das vom Jahre 128, von dem wir oben gesprochen haben; da aber für dieses keine genügenden Zeugnisse vorliegen, während wir andererseits wissen, daß sich die Aussprüche der Rabbinen ganz intensiv mit dem Erdbeben vom Jahre 115 befassen, so nehmen wir auch für den Akiba’schen Ausspruch dieses zum Ausgangspunkte. Und nun zum Schlüsse noch ein Wort: Wenn unsere Ausführungen richtig sind, läßt sich für manches Moment im Leben der zeitgenössischen Rabbinen nicht nur ein fester Anhaltspunkt, sondern auch ein sicheres Datum gewinnen, wie es ferner nicht ganz ohne Wert ist, wenn wir die Entstehung der Akylas’schen Bibelübersetzung ganz genau in das Jahr 115 n. Chr. setzen können. Das Erdbeben vom Jahre 115 war nicht das einzige Himmelszeichen dieses Jahres, ln demselben Jahre2) war auch ein glanzvoller Komet erschienen, in welchem die ‘) מדבר בישועה העומדת לבא Dt. R. 1, 23; Bacher, Pal. Amor. III, 461. s) Es waren Kometen sichtbar im Jahre 102, 104, 110, 115 und 117 n. Chr. Juvenai hat nach Friedlaender (in seiner Ausgabe z. St. Seite 87, vgl. Sittengeschichte8 1, 432) an denjenigen vom Jahre 115 gedacht; doch entscheidet sich ein anderer Ausleger (A. Weidner, D. Junii Juvenaiis Saturae, Lpz. 1889, p. 121 f.) für denjenigen vom Jahre 110.