Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Erdbeben im Jahre 115 in Palästina
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 10)
- Language
- German
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Das Erdbeben vom Jahre 115 in Palästina. 299 ׳dazu, daß nicht der gewöhnliche Löwe, sondern der אריא דני עלאי־ gemeint sei. Auf den hartnäckigen Wunsch des •Römers, daß er diesen sehen wolle, muß er schließlich eingehen; Oott läßt auf die Bitte des Rabbi den Löwen kommen; dieser brüllt bloß ein einziges Mal in einer Entfernung von 400 Parasangen — abermals diese Angabe! — und siehe da, es stürzen alle Brücken und Mauern von Rom1 2) zusammen; das brüllende Ungeheuer nähert sich auf 300 Parasangen, und siehe da, es fallen allen Männern die Zähne aus, und der Kaiser selbst sinkt von seinem Throne zur Erde. Der brüllende Löwe »aus den Höhen« 8(בי עלאס) — sollte er nicht Gott sein? Und ist die Stimme Gottes nicht am besten vernehmbar im Erdröhnen der Erde? Es heißt ja, Gott selbst habe den Löwen kommen lassen! Und der Zug, daß der Kaiser vom Throne fällt — erinnert er nicht an das Erlebnis Trajans3 * * * *) in Antiochien? Wahrlich, wenn hier nicht eine rationelle Deutung des Phantastischen gestattet sein soll, so ist sie nirgends gestattet. Zum vierten gehört zu den symptomatischen Zügen der Zeit eine Predigt (היה דורש) R. Akibas, der in den Worten der Schrift (Chaggai II, 6) עוד אחת מעט היא ואני מרעיש את השמים ואת הארץ »Noch eins: binnen kurzem lasse ich erbeben Himmel und Erde« (b. Sanh. 97 b), ein Zitat, auf das merk- ‘) Die Angabe, daß das Erdbeben in Rom verspürt wurde, ist nicht zutreffend. Bei der oben berührten Oleichsetzung Antiochiens mit Rom kann sehr wohl Antiochien gemeint sein. Faktisch genommen kann ja Rom ohnedies nicht wörtlich verstanden werden, weil die Unter• redung R. Josuas mit dem Kaiser gewiß nicht in Rom vor sich ging. 2) Vorher in Chullin das. allerdings auch טביא דבי עלאי in rein naturgeschichtlicher Beziehung, doch kann uns das in unserer Deutung nicht beirren. 3) Die Deutung ist besonders dann glücklich zu nennen, wenn wir als den Interlocutor des Rabbi den Trajan ansehen, was sogar wörtlich daran eine Stütze hat, daß er im Texte »Kaiser* genannt wird, was Hadrian ja noch gar nicht war; auch wird der Name Hadrian hier gar nicht genannt.