Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Erdbeben im Jahre 115 in Palästina
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 8)
- Language
- German
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Das Erdbeben vom Jahre 115 in Palästina. 297 liefert werden. In der Tat wagt es auch Graetz1) nicht, für dieses Ereignis ein bestimmtes Jahr zu nennen, vielmehr läßt er es bloß »einige Jahre vorher«, d. h. vor dem Bar Kochba-Kriege, ereignet sein. Graetz meint nun etwa den Zeitraum 128—130, aber mit demselben Rechte kann auch eine um etwa 15 Jahre zurückliegende Zeit angenommen werden, so daß wir füglich dieses Ereignis mit dem Erdbeben von Antiochien verknüpfen können. Damit schwände die Schwierigkeit, daß Eusebios anläßlich des Erdbebens vom Jahre 115 Palästina so ganz und gar vergessen hätte. Mit dem Momente nämlich, daß wir aus mehreren Berichten des Talmud ein Erdbeben im Jahre 115 erschlossen haben, muß es als schwierig empfunden werden, daß Eusebios, der in Palästina lebte — allerdings um 200 Jahre später — und für Palästina sicherlich ein großes Interesse hatte, dieses große Ereignis mit Stillschweigen übergangen haben sollte; wir nehmen lieber an, daß in seiner Chronik manches in Unordnung geraten und die Zerstörung von Caesarea und Emmaus in das Jahr 115 zu setzen sei. Den von Graetz vertretenen Gedankengang, daß jenes Erdbeben mit zu den Zeichen gehörte, auf die sich die verhängnisvolle Bar Kochba-Bewegung gestützt hatte, machen wir zu dem unsrigen, indem wir die Zeichen des Jahres 115 als einen Anlaß ansehen, der zu dem Aufstande der Juden in Mesopotamien, in Ägypten, in Kyrene, auf Kypros usw. geführt hatte. Dieser Aufstand der Juden wird in allen Rezensionen der Eusebios’schen Chronik tatsächlich unmittelbar nach dem Erdbeben vom Jahre 115 registriert. Bei diesem Lichte besehen erfährt ein bekannter, ewig merkwürdiger talmudischer Spruch einen besonderen Hintergrund. Gestützt auf den Bibelvers אמלאה החרבה (Ezech. XXVI, 2), behauptet man2), daß Caesarea und Jerusalem in Wohlfahrt 1) Gesch. IV137 ,־ IV', 136. ■*) b. Meg. 6 a anonym. R. Isaak, vorher und nachher genannt, scheint der Autor dieses Satzes nicht zu sein.