Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine missverstandene Rede Jesu
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 7)
- Language
- German
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Eine mißverstandene Rede Jesu. 287' durfte, und schließt unmittelbar daran die folgende bedeutsame und hier Licht verbreitende, bei Mathäus aber fehlende Sentenz: »Der Sabbath ist um des Menchen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbaths w illen1). Und als selbstverständliche Konsequenz folgt darauf auch bei Markus der Schlußsatz dieser Verteidigungsrede: »So ist des Menschen Sohn ein Herr auch des Sabbaths«2). So steht denn Jesus in dieser ganzen, nunmehr klarverständlichen Verteidigungsrede auf rein jüdischem Standpunkte, zumal sich seine Angriffe nicht gegen den Sabbath als solchen richten, dessen Heiligkeit er nirgends leugnet, sondern gegen die Versuche, Erschwerungen in der Auf- Stellung von Sabbathgesetzen einzuführen und gegen Übertreibungen in der Beobachtung derselben. Daß er den Sabbath heilig hält, verrät er auch in seiner Schilderung der messiani$chen Zukunft und des Weitendes, wo alles in gräuliche Verwirrung und in wilde Flucht geraten werde und er seinen Jüngern für jene Zeit den Rat erteilt: »Betet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabb at h«3). Der Standpunkt, den Jesus in seiner hier behandelten Verteidigungsrede einnimmt, ist aber auch seitens der pharisäischen Gesetzesauslegung unanfechtbar. Denn selbst sein weitgehender Ausspruch: »Der Sabbath ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbaths willen«, befindet sich in ihrem Besitzstand. Zweifelsohne war diese liberale Auslegung der Sabbathruhefrühzeitig schon, als die traditionellen Bestimmungen, über den Sabhath noch einfache waren, in weiten Kreisen. " ־) Mc. 2, 27. ••*) Mc. 2, 28. 8j Mt. 24, 20.