Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die pseudoaristotelische Politik
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 14)
- Language
- German
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270 Die pseudaristoteüsche Politik, an Alexander übereinstimmt Man kann hierbei auch sehen, in welcher Weise der Verfasser bei der Entlehnung verfuhr. Während es in Kalila wa-Dimna allgemein heißt, wer mit List seinen Vorteil sucht, nimmt keinen Schaden, werden in unserem Buche die Inder als Beispiel genannt; und auch dazu, die Türken als Beispiel des Gegenteils zu nennen, gab vielleicht eine-andere Stelle in Kalila wa-Dimna Veranlassung. Mit dem Ausspruch, daß der Verstand des Königs an seinen Boten erkannt wird, stimmt überein S. 69: »Denn die Weisheit des Königs wird an dem erkannt, der sein Wort überbringt; denn man denkt, wie groß muß der Verstand dessen sein, der mir einen solchen Auftrag zugesandt hat«. Auch der Gedanke, daß trotz der Bestimmung des Schicksals der Mensch die Hände nicht in den Schoß legen dürfe, wird in Kalila wa-Dimna mehrere Male ausgesprochen. Auch vieles, was wir nicht nachweisen können, dürfte dgm Verfasser unseres Buches in Kalila wa-Dimna Vorgelegen haben, da die Versionen von einander abweichen und beispielsweise auch die von uns zitirten Stellen in der von de Sacy edierten arabischen Version sich nicht finden. Ferner dürfte vieles aus dem zweiten und dritten Abschnitt auf pythagoreische Quellen zurückzuführen sein, so die Mahnung, keine Todesstrafe zu verhängen, nur im äußersten Notfälle zu schwören, die Anschauung von den begleitenden Schutzgeistern, die Ausführungen über die Gerechtigkeit, in welchen das Bild von der Wage an einen bekannten Ausspruch des Pythagoras errinnert. Für die Ausführungen im Anfänge des vierten Abschnittes kann keine besondere Quelle nachgewiesen werden, da der Verfasser nur allgemein bekannte neuplatonische Anschauungen wiedergibt. Die Lehre von den Entwicklungsstufen der Seele ist Platos Republik‘) entlehnt. Für die medizinischen, astrologischen, alchemistischen Anschauungen ha- 1y s. 537.