Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die pseudoaristotelische Politik
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
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264 Die pseudaristotelische Politik. ihm treu bleiben und seine Feinde erniedrigt werden. Oegen die Armen sei er liebreich und sammle in den Jahren der Fülle, um ihnen in den Jahren der Not spenden zu können. Vor allem aber möge Alexander eine Mahnung beherzigen, die er schon so oft an ihn gerichtet habe. Er möge sich hüten, Blut zu vergießen, denn die Todesstrafe zu verhängen, gezieme nur Oott, der das Verborgene kenne, nicht aber dem Menschen, der nur nach dem Augenscheine urteile. Darum hat Hermes der Große gesagt, wenn ein Mensch den andern töte, dann erscheinen die Engel des Himmels vor Gott und sprechen: Siehe, dein Geschöpf will sich dir gleichstellen, und sie ermüden nicht und sie ermatten nicht, und selbst in den Stunden der Gnade, wenn die Gebete zum Himmel aufsteigen, erneuern sie ihren Ruf um Vergeltung, bis die Blutschuld gesühnt ist® Darum möge Alexander hinsichtlich der ihm zu Gebote stehenden Strafmittel sich begnügen, mit der Verhängung von Kerkerhaft und Züchtigungen, strafe überhaupt nicht, wenn schon die Drohung genüge, und im Allgemeinen möge er diesbezüglich Belehrung suchen in den Gesetzbüchern seiner Vorfahren. Charakteristisch wie der Aus: Spruch des Hermes ist auch die Mahnung, Alexander solle in allem, was er tue und spreche, dessen eingedenk sein, daß Scharen von geistigen Wesen ihn zur Rechten und Linken begleiten, die alle seine Reden und Taten aufzeichnen und über ihn Bericht erstatten. Alexander solle niemals sein Wort brechen und nur in den äußersten Notfällen schwören und dann natürlich seinen Schwur unter allen Umständen halten, denn es seien viele Völker nur dadurch zu Grunde gegangen, daß sie mit dem Eide ein frevelhaftes Spiel trieben. Zum Schluß kommt der astrologische Aberglaube des Verfassers zum Wort. Wenn möglich, solle Alexander auch das Geringste nicht unternehmen, ohne vorher die Sterne zu befragen, und er schenke kein Gehör den Unwissenden, welche behaupten, daß die