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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 3 · p. Seite 262

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 3
Article
Die pseudoaristotelische Politik
Date
1914-01-01
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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262 Die pseudarfstotelische Politik. gehorchen würden. Wenn aber der König nur nach außen sich religiös zeige, im Innern aber es nicht sei, werde das früher oder später offenbar werden, und der gute Name und das eingebüßte Vertrauen werden durch kein Mittel zurückzugewinnen sein. Auch hier bietet sich Aristoteles zum Vergleich dar. Zu den Mitteln, durch welche der illegitime König, der durch Gewalt die Herrschaft an sich gerissen, seinen Thron befestigt, gehört nach Aristoteles1) daß er sich ständig den Schein gebe, als nähme er es mit der Religion ungemein ernst. Macchiavelli, der den betreffenden Abschnitt in Aristoteles benutzt hat, gibt2) dem Fürsten den Rat, daß er besonders ganz Religion, ganz Frömmigkeit scheine, denn jeder, sagt er, wird sehen, was du scheinst, nur wenige werden wissen, was du bist. Unser Verfasser aber ist der Ansicht, daß es gefährlich ist, als bloßen Deckmantel die Religion zu benützen, weil daraus nur Schaden entstehen könne. Im Verkehr mit dem Volke beobachte Alexander Zurückhaltung und ergreife das Wort nur in den äußersten Notfällen. Sehr weise sei die Sitte der Inder, weiche verlange, daß der König nur einmal im Jahre dem Volke sich zeige, und zwar dann im glänzendsten Staate, von den Großen des Reiches umgeben. Ferner heißt es in einer indischen Schrift, die Ehrfurcht vor dem Könige soll in den Herzen größer sein als die Furcht vor seinen Waffen im Felde, denn der König gleiche dem Regen, den Gott zur Befruchtung der Erde sende, und den alle herbeisehnen, obgleich Stürme und Blitze ihn begleiten, Ströme durch ihn anschwellen und viel Schaden durch ihn angerichtet werde. Charakteristisch ist die Mahnung, Alexander solle dem Volke keinen Anlaß zum Reden geben, denn, was das Volk spreche, könne es auch tun, darum solle er ף Arist. 1314 b, 38, 2) C. 18 seiner Principe.

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