Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die pseudoaristotelische Politik
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
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258 Die pseudaristoielische FJplitik. unechten Werken, die unter dem Namen des Aristoteles im Mittelalter in Umlauf waren. Das beweisen schon die zahlreichen Übersetzungen. Außer einer hebräischen Über- Setzung, deren Alter nicht zu ermitteln ist, und die Jehuda b. Samuel Abbas und Jochanan Alemano unter dem Titel »Das Buch des Geheimnisses« zitieren, existiert eine lateinische Uebersetzafig, die Philippus Clericus um das Jahr 1200 für Guido, den Bischof von Tripoletanien, verfaßt hat. Die lateinische Übersetzung erschien im Laufe eines Jahrhunderts nicht weniger als 8mal, und auch mit einem Kommentar wurde sie auf Wunsch Eduard 111. (1327—1377), von Walther de Widmete versehen. Auch ins Italienische und Französische wurde das Buch mehrere Mal übersetzt, und ein französischer Dichter, Pierre de Vernon, kleidete den Inhalt in Verse. In großem Ansehen stand das Buch in Spanien, wo es mehrere Mal übersetzt wurde und mehrere Partien daraus von Alfons dem Weisen seinem Gesetzeskodex einverleibt wurden. Selbst in die Volksliteratur ging ein Teil davon über, so in das Sittenbuch von Barros (gest. 1345), und in das Buch der Ermahnungen von einem seiner Vorgänger, ln nicht geringerem Ansehen stand das Buch in England, wo auf Wunsch Eduard IV. ein Dichter den Inhalt in ein Gedicht von 7zeiligen Strophen brachte. Er starb jedoch bei der 212-ten Strophe; ein Nachfolger fügte noch 177 Strophen hinzu. Auch Roger Bacon beschäftigte sich mit ünserm Buche. Der Dichter Gower gibt einen Auszug in seinem Roman »Confessio amantis«, Bekenntnis eines Liebenden. Es seien schließlich noch erwähnt eine deutsche Übersetzung, gedruckt 1531 von Johann Lorchner, einem Rat Kaiser Friedrichs und Maximilians, eine holländische unter dem Titel *Heimlichkeit der Heimlichkeiten« und eine poetische Bearbeitung unter dem Titel »Wie Könige handeln sollen«. Das Buch, das seine Verbreitung mehr dem Namen des Aristoteles als seinem Inhalt verdankt, besteht aus acht