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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 238

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 238 (sequence 30)
Language
German
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238 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman sich unter dem arbeitenden Volke eine selbständige Existenz־ gründen. Was nutzt es ihm, daß er einer der größten Industriellen geworden? Seine Frau ist als Renegatin eine bigotte Katholikin, der Sohn Staatssozialist, die eine Tochter Revolutionärin. So gewinnt Leopold immer mehr seine Gunst und als Jordan, den er lieben und bewundern muß,, erkrankt, wird er tatsächlich der oberste Leiter des großen Hauses; der tüchtige Kern seiner Natur kommt zum Vorschein, ja er berichtigt sogar seine antisemitische Weltanschauung. Wie stehts nun mit den Mischehen? Löwy und seine Frau, beide harmlose Naturen, leben im besten Einvernehmen, Fritz! aber treibt jetzt, wie ihre Eltern, großen Aufwand, sie hat den Juden ja nur wegen dieser Möglichkeit zum Manne genommen, und die Treue braucht sie ihm nur zu halten, so lang er sie reich bezahlt. Eivira erfährt schon in den Flitterwochen die größten Enttäuschungen und findet immer mehr das Urteil ihres Vaters bestätigt, der sich stets sehr skeptisch über Mischehen geäußert hat. Beide Ehen zeigen dieselben Mißtöne durch■ dieselbe Ursache, durch den unaufhörlichen Wutschref nach Geld. Pie beiden Frauen werden Mutter; für Fritzi ist das Ereignis nur eine zeitweilige Verhinderung, die Modesalons zu besuchen, in Elvira erwacht zugleich als Ersatz für das Glück der Ehe das der Mutter, gerade wie Leopold sich seines von der Mutter vernachlässigten Kindes annimmt. Stark betroffen durch die Herzlosigkeit Fritzis,. die sie deren Christentum zuschreibt, wird Frau Kästner auch gegen Gschmeidler ungerecht, der jedoch bei seiner richtigen Erkenntnis bleibt, daß Fehler und Vorzüge gleich verteilt seien, und daß die Juden an Überempfindlichkeit: leiden. Die Baronin Hebenstreit hat sich durch ihren Einfluß auf Leopold und überdies durch einen falschen Schwur eine Anzahl Aktien aus dem Besitze Jordans zu verschaffen gewußt, an denen die Mehrheit und damit die Verfügung über ein großes Unternehmen hängt. Jordan stirbt, die

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