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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 237

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 237 (sequence 29)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 237 auch sonst in seinem Familienleben nicht glücklich. Die Frau versteht ihn nicht, Elvira will nur einen Christen heiraten, sein Liebling, die jüngere Tochter Konstanze, geht ihre eigenen Wege, sie zieht sich von ihm, dem Kapitalisten, zurück, denn sie schwärmt für die Sozialdemokratie und sein Sohn Egon ist verschlossen und gemütvoll, gescheit, verhältnismäßig sehr begabt, aber in dem einen Augenblick voll Größenwahn und in dem andern voll Selbstverachtung, riesig eitel auf seine schlechten Eigenschaften und voll Scham über seine guten. »So sind viele Juden, die ich kenne,« sagt Geschmeidler. Auch Egon will sich als Staats• beamter der Karrifere halber taufen lassen und der Vater fügt sich, er selbst bleibt seinem Volke trotz seiner Glaubenslosigkeit treu. Bei ihm wird wirklich durch Vermittlung der Frau von Hebenstreit Leopold in einer guten Stellung untergebracht und gilt bald bei der Fama als sein Kompagnon und künftiger Millionär. Dies erweicht Fritzi trotz all ihrer Judenverachtung, und so kommt diezweite Mischehe zustande. Die dritte findet statt zwischen James Löwy und einer reichen, christlichen Bäckerstochier aus einem Vororte, der er mit seinem Engländertum imponiert hat. Sie ist ein herzensgutes Geschöpf und bewundert ihn. Frau Kästner ist unglücklich über die Wahl des Sohnes, denn glücklich konnte er nach ihrer Meinung nur mit einer jüdischen Frau sein, eine Ehe zwischen Christen und Juden tauge nichts. Auch Gschmeidler erklärt sich Lotti, die er liebt und schätzt. Sie weigert sich anfangs: Zur Ehe gehörten außer Wertschätzung und Sympathie auch eine tiefe Übereinstimmung im Denken und Fühlen, sowie in den Lebensgewohnheiten und »was sind die zwei Jahre, die wir uns kennen, gegen die tausend Jahre voll Mißtrauen zwischen unseren Rassen?« Die Heiraten der anderen haben stattgefunden. Jordan ist von der Frau und der älteren Tochter fast vollständig losgelöst, Egon hat sich ihm ganz entfremdet, Konstanze will ihn verlassen und

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