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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 233

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 233 (sequence 25)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 233 kennen zu lernen. Wir finden da als Gast einen entfernten Verwandten des Hausherrn, Löwy. Der hat vor einigen Jahren einige Monate in Liverpool zugebracht und nennt sich seither James Löwy, Jakob spricht es mit Anspielung auf die bekannte hebräische Bedeutung des Vornamens boshaft Schames Löwy1) aus. James kleidet sich mit besonderer Eleganz, stets ä l’anglaise und wartet als Prokurist auf eine reiche Heirat. Wir sehen ferner Frau Marguiies, die mit ihrer fünfundzwanzigjährigen Tochter Kleopatra in bescheidenen, aber gesicherten Verhältnissen lebt. Kleopatra führt an der Seite der Mutter ein wenig beneidenswertes Dasein, da sie unaufhörlich mit grundlosen Vorwürfen überhäuft wird. Schon, daß sie ein Mädchen ist, bereitet der Mutter steten Verdruß. *Alies kommt mir zu,« hatte diese gleich bei der Geburt des Kindes gesagt, »warum muß gerade ich eine Mad2) bekommen?« Sie fürchtet oder nimmt vielmehr als Tatsache an, daß Kleopatra sitzen bleiben werde, bekanntlich das Schrecklichste für eine jüdische Mutter. Wir sehen ferner Herrn Richelieu, recte Karpeles, mit seiner Frau und zwei erwachsenen Töchtern. Er stammt aus Prag (die Prager Juden gelten als Narren), ist durch Holzhandel reich geworden und nach Annahme des neuen Namens nach Wien übergesiedelt, wo er auf großem Fuße lebt und aristokratische Manieren angenommen hat, um Aufsehen zu erregen, obwohl seine im Grunde kleinbürgerliche Natur sich unter Leuten wie Kästner und Weintraub am wohlsten fühlt. Der merkwürdigste Gast jedoch im Hause ist ein etwa dreißigjähriger, frischer, junger christlicher Kaufmann, Artur Gschmeidler. In der Leopoldstadt, dem am meisten von Juden bewohnten Teile Wiens, geboren und erzogen, hat er viele jüdische Familien kennen gelernt und an ihrem Umgang Gefallen gefunden, gilt daher auch unter seinen l) Schames Tempel di euer. a) Mad, Maid Mädchen.

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