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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 232

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 232 (sequence 24)
Language
German
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232 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman schwarzen Wollkopf, einer mächtig gekrümmten Nase und schwarzen, blitzenden Augen, trägt sich mit schäbiger Eleganz und gestikuliert heftig. Seitdem er wegen ungebührlichen Betragens seine Stellung in einem Tuchgeschäft verloren, geht er müßig, er will sich nicht länger in der gewissenlosesten Weise ausbeuten lassen, sagt er. »Wie komm׳ ich dazu?« Die Schwester muß ihn erhalten, und Kästner läßt sie gewähren, so wenig er den Schwager liebt. Er selbst handelt ja gegen seine eigenen armen Verwandten ebenso, und obgleich er in der Theorie den übergroßen Familiensinn für unvernünftig hält, in der Praxis ist er stolz darauf, weil er ihn ais eine jüdische Stammeseigenschaft betrachtet. Lottä dagegen ist über das Schmarotzertum des Onkels empört, der sich stets sehr zwanglos benimmt, ganz in der Art des Ghettos, wo auch seine Redensarten bodenständig sind. Seinen Bruder, der sich doch sein Brot selbst verdient, bespöttelt Jakob, ob er gleich auf fremde Kosten lebt, unausgesetzt. Er ist stolz auf seinen »Koich sechel«1). Darauf gestützt fällt er mit blitzartiger Schnelligkeit seine leider meist vernichtenden Urteile. Ein Gelehrter, der sich einmal eine Zerstreutheit hat zuschulden kommen lassen, ist »a Chamer«8}, sein Bruder »a Stück Flasch8) mit zwa Augen«. Wie er auf Fränzchen, Sigmunds Weib, mit Verachtung herabsieht, so sie auf ihn. Wenn auch ihr Vater Hausierer gewesen war, so ist sie doch in Wien geboren, er und ihr Mann in Trebitsch in Mähren, und sie nennt sie deshalb nur »Trebitscher Juden«. Das tut Jakob besonders weh, da er sich, nun schon dreißig Jahre in der Residenz lebend, für einen Wiener hält. Eine Sonntagsgesellschaft bei Kästner gibt uns auch Gelegenheit, noch eine andere Reihe von jüdischen Typen ') Etwa: Gesunder Menschenverstand. s) Ein Esel. *) Fleisch.

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