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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 225

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 225 (sequence 17)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. werden könnte. Und in heißen Tränen ringt sie mit sich und ihrer Liebe, schreit sie auf zu dem Gott ihrer Väter {auch das tun alle Juden, sie schreien auf zu dem Gott ihrer Väter). Isidor, ihr Bruder, befindet sich in einer ähnliehen Lage. Er steht, wie gesagt, zu Beginn der Erzählrnig an eine Säule gelehnt; es ist bei einer Wohltätigkeits- Vorstellung. Hier sieht er sein Verhängnis, eine germanische Schönheit, rotblond (Gegensatz: blauschwarz), das Haar tief hinab in schimmernder Flut bis in die Kniekehlen, zwei große, sehnsüchtige, blaue (Gegensatz: tiefdunkel oder braun) Augen im blassen Gesichtchen. Er aber sieht nur den jungen, biegsamen Leib, der ihm schimmernd entgegenblüht. Und doch stellt sie ein lebendes Bild, Schillers »Mädchen aus der Fremde« dar. Es ist Dora, Reichsgräfin Holm. »Jäh, unerwartet, im Wirbelsturm der Sinne, schrie seine Seele nach diesem Mädchen, das Jugend und Rang, Schönheit und Stolz in sich vereinte, das für ihn unerreichbar war. »Isidor Cohn — Reichsgräfin Holm« sind, sollte man glauben, in der Tat unvereinbar. Nicht dochl Sie ist arm und Isidor, so kraftlos er sonst ist, will diesmal, seine Sinne zu befriedigen, kämpfen, denn er hat — Gold, »es war sein Schwert, sein Adel, sein Geist.« Die Art, wie er nun wirklich Dora gewinnt, ist der Gegenstand des Romans, eine alte Schablone: reicher Jude, armer Adel, Unwahrscheinlichkeiten jeder Gattung. Durch sein mit vollen Händen hinausgeworfenes Geld dringt er in sehr vornehme Kreise. In einer überaus feudalen Gesellschaft, an der sogar ein Mitglied des regierenden Hauses und etwas später Isidor Cohn »mit C, ohne jeden mildernden Umstand«, teilnimmt, heißt es in seiner Gegenwart: »Die Juden haben uns Alles gestohlen, Kunst und Literatur, Theater und Presse. Sie haben das Kapital in Händen; sie werden dekoriert, geadelt; sie sind die Freunde der Fürsten, die heimlichen Leiter der Geschicke der Völker. Habeant sibi! Nur eines sollen sie uns lassen: des Königs Menats schritt, 58. Jahrgang. 15

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