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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 224

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 224 (sequence 16)
Language
German
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224 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman geschäftlichen Dingen. Tatkräftiger ist seine Schwester Recha. Die Jüdinnen heißen ja meistens Recha oder Rachel. Alle haben das freundliche, bescheidene Mädchen lieb, niemand verargt oder wirft ihr ihr Judentum vor, das sie offen, ohne Stolz, aber auch ohne Scheu bekennt. Sie hat (natürlich) reiches, blauschwarzes Haar und frische Farben; die feine, leicht gebogene Nase über den roten, etwas zu vollen Lippen verrät ihre Rasse. Wir sehen immer wieder dieselbe Schablone. Von allem Sündigen unberührt, geht sie wie ein Sonnenstrahl durch das Leben. Selbst die Schulgenossinnen, denen nichts Menschliches mehr fremd ist (dafür mögen sich die deutschen, rassenreinen Mädchen bei dem Verfasser bedanken), verstummen vor Rechas reinen Kinderaugen und weichen davor zurück. Nach des Vaters Tode geht sie in eine der besten Pensionen Englands. Isidor hat darauf gedrungen; er will, wie mit allem, auch mit der Schwester Staat machen. Jetzt ist sie zurückgekehrt. Ihr Anblick erinnert an das Köstlichste, Herzbezwingendste des Judentums, das dieses aus den Zeiten des alten Testaments in unsere Tage hinübergerettet hat — an seine Frauen, Judas Töchter, schlank wie die Rehe, mit den kühlen und doch heißen Gazellenäugen, mit der mattgetönten Haut, die sich unter dem Herzschlag der Liebe so rosig färbt, Judas Töchter, die ais Gattinnen der Sonnenschein ihres Heims sind, fleißig und schlicht, selbstlos und treu, Frauen, vor denen ein Jeder sich huldigend beugen darf. Wir sehen, der »Dichter« hält sich an ein leicht zu variierendes Wort Goethes: Ein echter deutscher Mann mag keinen Juden leiden, doch seine Weiber (nota bene, wenn sie Geld, viel Geld haben) mag er gern. Recha verliebt sich nun selbstverständlich in einen Christen, einen adeligen Husarenoffizier, der ihren Bruder, wieder selbstverständlich, in Geldangelegenheiten aufsucht. »Sie war ein kluges Mädchen und verhehlte sich nicht, wie schwer eine Recha Cohn Freifrau von Sternau

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