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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 223

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 223 (sequence 15)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 223 Monde), die schwachen, unsicheren Augen in dem schmalen, gelblichen Gesicht auf das glänzende Bild vor ihm gerichtet. Er sah jüdisch aus, wenn auch nicht mehr, als es die Gesellschaft zur Not verzeiht; seine Rasse verriet sich eher in seiner Figur mit den kurzen Beinen, in seiner Haltung, der Art, wie er die linke Schulter ein wenig hob und das rechte Ohr gesenkt hielt (?), als ducke er sich noch vor den Peitschenhieben, die seine Vorfahren als Willkomm gewohnt waren.« Später einmal folgt eine genauere Beschreibung der Rassenmerkmale: Er hat blasses Gesicht, unruhige, dunkle Augen, ist mittelgroß, schmalbrüstig, hat kleine, haarbedeckte Hände, gebogene Nase, scharfausrasiertes (?) Blau der Oberlippen und Kinnbacken, leicht gekraustes, dunkles Haar über einer schmalen, an den Schläfen etwas eingefallenen Stirn. So hatte er schon in der Schule von seinen Mitschülern viel zu leiden und trug unter der selbstbewußten Schar seiner Genossen das Brandmal des Judentums. Sobald er aber daheim die Schwelle überschritt, lastete wie ein Bann der Geist des Vaters (eines großen Verlegers) auf ihm. Das war ein ganz anderer Mann. Seine Ehe war ein Liebesbund gewesen, eine echte, jüdische Ehe im schönsten Sinne des Wortes. Seinen Glauben trug er wie einen Adelsschild vor sich, für ihn gab es nur ein Bekenntnis, nur eine reine geheiligte Lehre, die des auserwählten Volkes, überkommen von den Vätern, hochgehalten durch Jammer und Schmach der Jahrhunderte, geweiht durch den Segen, den Jehovas Hand über die Seinen ergoß (die Juden, besonders die frommen, sind alle Millionäre). Jetzt aber ist nach dieses braven Vaters Tode Isidor, unser Held, selbständig, ein sehr reicher Mann, 28 Jahre alt. Das Weib hat bisher keine Rolle in seinem Leben gespielt, es war ihm nicht gegeben, es in sieghafter Kraft zu bestürmen und zu erobern, aber die Sinnlichkeit ruht tief in ihm. Dabei fehlt ihm jede Tatkraft, auch in

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