Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 13)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 221 Mädchen kann man diese Bücher nicht in die Hand geben, und doch sollen sie diesen eine neue, freiere Weltanschauung bieten, d. h. die von der freien Liebe. Sie sind in gewisser Beziehung der Gegensatz zu des Franzosen O. Mirbeau »Demi-Vierges«. Bei diesen bleibt der Körper rein, während die Phantasie verderbt ist, in Renate Fuchs ist der Körper eine Kloake, der Geist aber jungfräulich, »asbesten«. Das glaube, wer mag und kann! Nun muß allerdings zugegeben werden, daß jeder Schriftsteiler und Dichter sich seine Aufgabe und ihre Behändlung so steilen kann, wie er will. Dagegen aber darf und muß man Einspruch erheben, daß dies in einseitiger, gehässiger Weise gegen eine bestimmte Gesellschaftsklasse, einen bestimmten Volksstamm, eine bestimmte Reügionsgenossenschaft geschieht, und nun gar von einem Gliede dieser Klasse, dieses Volksstammes, dieser Religionsgenossenschaft. Jeder Deutsche wird gewiß empört sein, wenn ein Deutscher alles Verächtliche, Gehässige gerade den Deutschen zuschreibt. »Es ist ein Buch der . . . Abrechnung mit dem Volke seiner Abstammung«, so kennzeichnet es eine der neuesten Literaturgeschichten1). »Der betrogene Betrüger Sabbatai ist ihm der Typus seines Volkes und das Wesen eines Volkes ist wie das Wesen einer einzelnen Person; sein Charakter ist sein Schicksal«2). »Man vermißt ... die Motivierung und Wahrscheinlichkeit der Handlung;... Die Personen sind Schemen, das Ganze ein Schattenbild mit Worten, die alles rätselhaft machen, alles umnebeln ... Das Buch ist berechnet für ein krankes Geschlecht, das der Nervenkunst lebt«* *). Das ist das Urteil eines Katholiken. Hören wir noch einen anderen nicht- *) Illustrierte Gesell, d. deutsch. Literatur von Prof. Dr. Anselm Salzer, München, Allg. Verlagsgesellsch. m. b. H., S. 2247. *) Ebenda. ’) Ebenda.