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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 220

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 220 (sequence 12)
Language
German
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220 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Blutschuld (? wessen?) sie erdrücke. Er fühle sich nicht zusammengehörig, nur mitschuldig an einem großen Irrtum, der die Erde verfinstert habe. Sie stünden um die Leiche eines Gottes und täten, als ob er lebe und nicht hören wolle. Hier kämen die Kinder zu ihm, sie fänden sich zu ihm, sie liebten ihn (s. Christus!). Er kehrt aus Galizien zurück, in Mähren aber bricht er zusammen; er ist herzkrank. Mirjam, telegraphisch berufen, teilt die Nachricht Renaten mit und fordert sie auf mitzugehen; auch sie hat eben eine Enttäuschung durch ihre Liebe zu einem Unwürdigen erfahren. Auf einer Ruine in der Nähe eines mährischen Städtchens finden sie Agathon totkrank. Abwechselnd wachen sie bei ihm und in einer Nacht, als die Reihe an Renaten ist, feiern sie, die trotz ihrem verschiedenen Irrgang im Leben für einander bestimmt waren, ihre — Hochzeit, nicht etwa figürlich. In derselben Nacht stirbt Agathon. Das Kind, er weiß, es wird ein Knabe sein, soll Beatus heißen, ein Symbol natürlich; er wird aber von Renaten Agathon genannt. Sie erzieht ihn nach dem Wunsche Agathons als neuen Parzival auf der Ruine Helfen stein und sieht im Geiste das Kommen eines neuen Geschlechtes, das stark ist durch die Bestimmung zur Liebe. Vom Grabe Agathons zieht Mirjam hinaus, eine Ruhelose, Unbeglückte, um jenes Leben zu führen, von welchem Renate gekommen war, d. h. das Leben einer Unverstandenen, Verlorenen, sagt der Epilog, um wenigstens zuletzt noch die bis dahin einzige Reine zu beschmutzen. So endet das unerquickliche Buch, ebenso unerquicklieh, nicht nur vom jüdischen Standpunkte aus, wie die Juden von Zirndorf, trotz allen Lobpreisungen einer Kritik, die urteilt, ohne zu lesen. In beiden Büchern gibt es, wie etwa auch in den »Zwölf aus der Steiermark« (s. unten) kein reines Weib. Das scheint so Mode, und so sind in dieser beseligenden Weltauffassung die älteren Meister deutscher Erzählungskunst weit überholt.

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