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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 219

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 219 (sequence 11)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 219 war in einem Variete aufgetreten und für Preisgabe ihres Körpers mit Schätzen überhäuft worden, verläßt es aber endlich arm, wie sie es betreten. Sie lernt nun — wir nähern uns der Akme der Handlung — Agathon kennen, aber nur durch die Briefe, die er an eine, es ist fast überflüssig zu sagen, der freien Frauen des Kreises gerichtet hat, und der er sich verpflichtet fühlt für die mütterliche Übhut, die sie Mirjam in Zürich zugewendet hat. Er und Mirjam brauchen jetzt keine Not zu fürchten, seitdem ihr Verwandter Löwengard gestorben ist, besonders in Mirjam sei etwas von der Stärke der jüdischen Rasse(!). Er selbst lebe in den Dörfern Galiziens, warum? Er brauche als Mann keinen Freund. Seine Jugend sei seltsam gewesen, frühe, viel zu frühe habe er die Früchte vom Erkenntnisbaume gebrochen, habe sich alles Glaubens entäußert und in der entgötterten Welt starke Menschen sich zur Freude wenden gesehen. Die Moral der Religionen und der Gesellschaft hätten ihn erbittert und zum Kämpfer gemacht, er habe geglaubt durch Anderstun, durch Worte wirken zu können, jetzt glaube er es nicht mehr. Später habe er geglaubt, die Zeit reifen lassen zu müssen, aber sie reife nur für Einen, der bereit sei. Dennoch könne er nicht von Enttäuschungen sprechen, er sei sich derselbe geblieben. Kaum zwanzig Jahre alt, habe er eine Verführte zum Weibe genommen und sich um die Rauner und Übelwolier nicht gekümmert, aber sie sei schwach und klein geblieben, so sei sie gestorben. Damals habe er die Heimat verlassen, und erst begonnen zu werden; es sei ihm klar geworden, sein Beruf sei zu schweigen (?), er habe sich von allen Überzeugungen und Wünschen befreit (s. Buddha!) . . Er sei kaum fünfunddreißig, stehe jedoch am Abend seines Lebens; es sei aber nicht eigentlich das Leiden des Körpers, das ihn zu Falle bringen werde. Hier unter den galizischen Juden gehe das Verderben mit geschärftem Schwerte umher. Seine Stammesgenossen sehe er verkommen, es sei, als ob alte

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