Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 10)
- Language
- German
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218 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Unordentliches (S. 233). Die Hängelampe brannte, die weißen Gardinen waren sorgsam aufeinander gezogen, die gescheuerten Dielen leuchteten vor Reinlichkeit. Schmuckeres war nicht zu denken (S. 235). Das reime sich, wer kann; ich kann es wieder nicht. Auch Gisa Schumann ist fein gezeichnet. »Sie war in elegischem Fatalismus ganz Jüdin.« Eine Baronin (lies Wassermann) meint, die Verachtung sozialer Höhen sei eigentlich ein jüdischer Zug. Das ist eine tiefe Beobachtung, nur schade, daß sie der Wirklichkeit nicht entspricht, denn leider gerade die Juden suchen sich oft in höher stehende soziale Kreise zu drängen und vergessen dabei jede Würde. Gisa hat sich ertränkt, und Gudstäkker, der auch hier fast immer gleichsam wie der Chorus des antiken Dramas auftritt, erklärt Renaten, sie sei dazu durch eine unabänderliehe Kette von Vorbestimmungen getrieben worden. Als Jüdin sei sie zur Liebe verurteilt worden »ja, geradezu verurteilt, denn ein Christ könne nicht ahnen, welch ein Vulkan von Gefühlen sich in der Tiefe so einer jüdischen Seele auszubreiten vermöge.« Daß das Bild falsch ist, sei nur nebenbei bemerkt, aber wie stimmt das zu der »äußerliehen Leidenschaft der jüdischen Weiber?« (S. oben S. 657 d. vor. Jahrg.). Im letzten Viertel der Geschichte taucht in dieser höchst sonderbaren, ganz ungemischten Gesellschaft Mirjam Geyer auf, die sich vorübergehend in München aufhält, aber nach Wien gehen will, um dort Kollegien zu hören und mit ihrem Bruder Agathon, den sie vergöttert, zusammenzutreffen. Sie ist ein blasses Mädchen von ungewöhnlicher Ruhe und Bestimmtheit; schon ihr Blick gibt zu erkennen, daß sie ein Ziel verfolge, und daß sie nicht gewillt sei, Seitenwege einzuschlagen; sie kann scherzen, doch nicht aus einer Laune oder Stimmung, sondern wie man Geschenke macht(?!). Kehren wir zu Renaten (deren Augäpfel einmal in den Winkeln der Augen standen S. 403) zurück! Sie