Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829859-2829862-2892802--41168-2892901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
des zwanzigsten Jahrhunderts. 217 sehr reich, Elwine sehr arm ist, zufällig bei Signora Michelli getroffen, wo sie italienischen Unterricht nehmen. Die Mutter Elwinens stirbt aber ganz plötzlich, und Elwine entschwindet den Augen Renatens, die sie erst nach drei Jahren wieder als — Freudenmädchen findet, obwohl sie wie durch Zauberei unverdorben und naiv geblieben war, als ob ihre Seele in einem feuersicheren Schrank aufgehoben worden wäre (S. 91). .. was a n i h r selbst geschah, blieb ihr fremd (S. 93)1). Das ist — transszendentale Psychologie, die auch auf Renate angewendet wird. Renate selbst ist die Braut eines — Herzogs. Durch den Umgang mit dieser Boheme überspannt geworden, will sie sich aber nicht für einen Titel verkaufen, nein, »da will ich mich lieber verschenken« und sie tut es auch, sie entflieht ohne Liebe und ohne jeden anderen Grund mit Wanderer. Dieser aber verliert durch unglückliche Spekulationen seines Bruders sein Vermögen, und da er ein halt- und gehaltloser Mensch ist, so geht die scheinbare Idylle am Bodensee bald zu Ende. Die Trennung der beiden und wie beide immer tiefer sinken und alle die Personen, die mit größerer oder geringerer Berechtigung kaleidoskopartig im Roman erscheinen und verschwinden, sind für meine Zwecke gleichgiltig, ebenso das, was der Verfasser eigentlich lehren will, da diese Predigt für die freie Liebe den meisten Menschen doch noch nicht behagen möchte. Beide, weder Renate noch Wanderer, tun das Einfachste nicht, daß sie nämlich arbeiteten, sie lassen sich willenlos vom Tage dahintreiben, wir können nicht einmal sagen, worauf sie warten. Aber eine der Nebenpersonen mag wegen der außerordentlichen Charakterisierungskraft Wassermanns doch einen Platz finden. In allen Dingen, heißt es, (S. 232) bewies Anna Xylander eine kluge Umsicht und hausfrauliche Sorgsamkeit. . . . Dabei war sie nicht einmal ordnungsvoll, sondern in ihrem Wesen war tief *) Vgl. unten Rebekka im »Weg nach Zion«.