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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 215

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 215 wird man auch meine Behauptung auf S. 654 des vor. Jahrg. gerechtfertigt finden, zu deren Ergänzung ich dem Kritiker der »Neuen Züricher Zeitung« weiter das Wort geben will, da wir es jetzt erst ganz zu würdigen wissen werden. »Die besten Eigenschaften des jüdischen Volkes erscheinen in ihm (Wassermann) selbst verkörpert, vor allem der kritischskeptische Sinn, der auch sich selbst nicht schont. Mit diesem verbindet sich bei Wassermann eine starke, jedoch mehr mystisch, als sinnlich glühende Phantasie, der namentlieh in dem phantastischen »Vorspiel« des Romans . . . eine glänzende poetische Leistung gelungen ist. . . .« Was nun den zweiten Roman Wassermans betrifft, den ich kurz betrachten will, »D ie Geschichte der jungen Renate Fuchs« (S. Fischer, Berlin 1910, 11. Aufl., 522 S., geschrieben 1901), so kann ich es mir und dem Leser ersparen, Inhalt und Gang ausführlicher darzulegen, da es eigentlich der Hauptsache nach kein judenroman ist und der Held der »Juden von Zirndorf« erst gegen Ende nur als Sterbender und dazu in einer höchst sonderbaren, psychologisch und noch mehr physiologisch fast unmöglichen Szene erscheint, wenn sich auch dieser Schluß wieder wassermannisch tiefsinnig, oder sagen wir gleich lieber symbolisch gibt. ln München stürzt eines Tages ein völlig nacktes Mädchen, die Jüdin Gisa, aus dem Hause einer Straße in der Nähe der Universität. Ein junger Mann bringt sie mit Hilfe zweier anderer in das Haus zurück. Von diesen ist einer ein wo 1!haariger Jude mit dem einfältigen Gesicht eines angestrengten Tänzers. Es hat nur den Zweck, daß diese geschmackvolle Be- Schreibung eines Juden durch einen Juden angebracht werden könne. Im Innern des Hauses übernimmt sie Christian Süßenguth, eine Karikatur, daher selbstverständlieh auch e i n J u d e. Er wird rasch leidenschaftlich, als ob

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