Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
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214 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman das wohl symbolisch bedeuten, ist vor dem Elend nicht gefeit. Sie erzählt ihm den Vorgang. Agathon seufzt tief und geht, wie er denn nach dem Muster Buddhas und Christus viel geht. Der Anblick dreier spielender Kinder, die er beobachtet, gibt ihm neuen Mut. Nach wenigen Monaten trifft er wieder Monika und heiratet sie trotz ihrem Vergehen. Gudstikkers Kind wird sein Kind. Das wird im letzten Kapitel wieder auf zwei Seiten symbolisch erklärt und damit endet das Buch, eines der unerquicklichsten, das ich je gelesen, doch nein! Die Fortsetzung »Die Geschichte der jungen Renate Fuchs« ist es womöglich noch mehr, wenn auch nicht Juden die ganze Handlung beherrschen. Sonderbar ist es, daß nach dem Vorspiel der Ahnherr Agathons ein Christ ist; es hat sich aber auch damals ein vorurteilsloser Jude gefunden, der über das hinwegkam, worüber nach Hebbels Sekretär in »Maria Magdalena« kein Mann hinwegkommt, wohl aber sehr leicht ein Jude, denn auch Agathon nimmt die gefallene Monika und noch einmal später die Renate Fuchs. Wie zum Hohne prangt auf dem Umschlagblatte die siebenarmige Menorah, wahrscheinlich auch nur Symbol. In der ganzen Geschichte gibt es außer der episodischen Mutter Gudstikkers keine ansprechende Person, und die jüdischen Mädchen: Rachel, Jeanette, Monika sind — Gefallene; Cornely, die Schwester Nieberdings denkt an Inzest und ist — sadistisch, wahrlich die höchste Objektivität. Kann man es einem Christen verargen, daß er so merkwürdige Ansichten über die Juden hat, wenn ein Jude, der, wie man voraussetzen muß, sein Volk doch kennt, seine Volks- und Blutgenossen s o schildert, wie wir gesehen haben? Und warum heißt das »Werk« :Die Juden von Zirndorf, warum nicht der Jude von Zirndorf, oder: der neue Erloser aus Zirndorf? Die Juden von Zirndorf sind ja doch nur da, damit der Verfasser die volle Schale seiner Verachtung und seines Hasses über alle Juden ausgieße. Und nun